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IV. "Jakobinerklub"?

Üblicherweise wird bei der von Custine in Mainz veranlaßten "Gesellschaft der Freunde der Freiheit und Gleichheit" vom Jakobinerklub gesprochen, kurz "Klubisten". Nahezu namenidentische kollaborierende Gesellschaften wurden auch in anderen besetzten Gebieten gegründet (so zeitaktuell in Aachen).

Deutsche Jakobiner waren ursprünglich deutschsprachige Mitglieder eines französischen Jakobinerklubs wie z. B. in Straßburg. Ab der 2. Hälfte 19. Jh. wurde in der Literatur mit diesem Begriff  das in Deutschland geborene Mitglied eines frz. Jakobinerklubs bezeichnet. Im  Zusammenhang mit den DDR-Zielen zur Vereinnahmung vorgeblicher revolutionärer Abläufe ab den 1960er Jahren sollten damit nun „deutsche revolutionären Demokraten“ gemeint sein. Mit dieser Sinnverschiebung wurde eine günstige Auslegung für die verfolgten Zwecke angestrebt, konnten nun bei halbwegs passender Gesinnung  in ganz Deutschland und darüber hinaus Jakobiner und genehmes Wirken identifiziert werden.

Termini sind aber nach der historischen Wirklichkeit, nicht nach Wunsch und Bedarf zu gebrauchen oder gar zu verändern. Insofern sind  die Mitglieder des Klubs usw. nicht als Jakobiner zu bezeichnen, wobei es der Handhabbarkeit willen durchaus bei dem Kurzbegriff "Klubisten" bleiben mag (s. Claude Betzinger: Eulogius Schneider „Jacobin oder „Deutscher Jakobiner“ in Transfer und Migration zwischen Frankreich und D. 1789 -1806 hg. von Schönpflug und Voss, Thorbecke Verlag S. 105/106).Der vorgenannte Eulogius Schneider wurde von Thackeray romanhaft aufgrund der bekannten Daten verarbeitet: "Die Geschichte der Mary Ancel" - ein Elsässer Jakobiner als grundschlechtes Scheusal.

Davon abgesehen galt der Jakobinismus in Deutschland nicht als typisch für die öffentliche Meinung. Im einzelnen ist Prof. Fehrenbach unter Heranziehung der wichtigsten Forschungsergebnisse zu dem Ergebnis gekommen, dass die französischen Initiativen weder Wunsch noch Neigung der deutschen Bevölkerung entsprachen. Insofern hat sich hiernach jede weitere diesbezügliche Diskussion erledigt, die Befunde sind eindeutig. Die in einer gewissen Isolierung stehenden "Intellektuellen" haben sich nach erster spontaner Begeisterung abgewendet, desillusioniert von der Entwicklung (Renouard "Geschichte des frz. Revolutionskrieges im Jahr 1792" v. 1865 S. 467 / "Politischer Umbruch und gesellschaftliche Bewegung", Ausgewählte Aufsätze, Oldenbourg -Verlag 1997, insbes. S. 57)

Kritische Aufklärung über den Zusammenhang von Geschichte und Gegenwart bedeutet nicht emphatische Identifizierung mit verschütteten Traditionen (a. a. O. S. 38)

Der französische Forscher Droz wies mit frz. Gesandtenberichten die Franzosenfeindschaft im Rheinland nach, ebenso, daß die Aktivitäten der Besatzer und ihrer Helfer bei der Stadt- und Landbevölkerung keine Resonanz fand (a. a. O. S. 42)

Für die Hochschule und wichtige, gut dotierte Positionen in Verwaltung und Hof waren Personen von außerhalb nach Mainz verpflichtet. Einige sympathisierten mit den Ideen der französischen Revolution und sammelten sich nach der Eroberung in dem durch Custine initiierten „Klub“. Die Mitglieder unterlagen dessen Weisungsrecht. (Dumont a. a. O. S. 100/101.) Von den 50 Professoren der Universität schlossen sich nur 6 den Franzosen an (Georg Forster in Mainz“ v. Klein, Gotha 1863, S. 233).

Bereits auf dem Marsch zum Rhein hatten spätere Klubisten mit dem General Kontakt aufgenommen (s. Abschnitt I.) Die Kollaboration französischen Militärs mit Einwohnern aus den  besetzten Gebieten war Methode.

In allen seinerzeitigen französisch besetzten Gebieten wurde auf solche Weise mit örtlichen, aber oft von außerhalb stammenden Personen kollaboriert - bezahlte Quislinge. 8.) 9.) 11.) 12.) 52.) 73.)

Insofern handelte es sich nicht um eine Mainzer Besonderheit, sondern um übliches französisches Vorgehen, um über angeworbene Einheimische lokal durchgreifen zu können. - s. unten zu Aachen -

Urmitglieder des Mainzer Klubs waren durch die Flucht des Hofes von ihren Gehältern abgeschnitten waren und suchten anderweitigen Erwerb.  9.) 46.)  - s. Anhang Forster-

Mit der Veranlassung des Klubs schob Custine den Übernahmeprozeß an, die Besatzer gaben den Takt vor. Strengste Zensur war selbstverständlich.

Immer nur wenige und immer die gleichen Personen machten sich im Klub und in der Öffentlichkeit - später auch im Konvent - bemerkbar, stets im Zusammenspiel mit den Franzosen. Bestenfalls kann auch zu den Höchstzeiten von etwa 100 gleich wie aktiven Jakobinern ausgegangen werden. Ein Viertel hiervon tat sich mit Funktionen oder Propaganda hervor. Wie bei einem Strohfeuer  nahm die Zahl Versammlungsteilnehmer  in den ersten Besatzungswochen zwar rasch zu, um aber Anfang 93 noch rascher  zu verlöschen.  Von anfangs  449  Versammlungsteilnehmern oder Sympathisanten einschließlich Franzosen waren nur 121 Beitragszahler, können lediglich die als wirkliche Mitglieder gelten. Die übrigen sind als situative Mitläufer, Zuschauer, Müßiggänger und eben "Publikum" aus unterschiedlichstem Antrieb zu sehen. (Scheel III S.169 / Hansen Bd. II. S. 524)

Offensichtlich wurde jeder, der die Klubversammlungen - ob einmal oder mehrere Male - besuchte, gezählt. Nun kann nicht jeder Besucher Sympathisant gewesen sein oder gar als Klubist vereinnahmt werden. Es ging überwiegend um Information oder Schaulust. Der begehrte Nachweis möglichst zahlreicher Unterstützer, gar Klubisten, scheitert auch hier an der Wirklichkeit.

Zum Jahreswechsel war mit rund 400 angenommenen, aber eben nicht alle als  Mitglieder geltenden  Personen  der Höchststand erreicht, dann sank ab  Januar  1793  die Zahl sehr schnell und deutlich auf etwa 150 inklusive Franzosen.  (s. Dumont a. a. O. S. 215). Wesentlicher Grund für die Abwendung war die große Enttäuschung darüber, dass die "Hüter der Freiheit" sich ganz als die alten Franzosen entpuppten.              29.) S. 23

Der Weg zur Abstimmung über einen Konvent und damit Entscheidung sowie anhaltende Bedrückungen ließ auch die letzten Mainzer wach werden. Die "Überzeugungskraft der revolutionären Ideen" und der angestrebten Ziele sowie die ideologische "Festigkeit" der Klubisten zeigte sich deutlich daran, dass nur ein Drittel der verbliebenen 150 Klubmitglieder an der Abstimmung vom 24. 2. 93 teilnahm. Umgehend wurde der Klub aufgelöst.

Ein Vergleich zwischen Abgeordneten unserer Zeit verbietet sich sowohl von der Zahl und Inhalten als auch vom Status: Die eine sind vom Volk gewählt, ihrem Gewissen verpflichtet. Die anderen waren eingekaufte, weisungsgebundene Exekutivkräfte - was sich bei der Auflösung klar zeigte. 

 

Schon im Oktober 1792 wurde  beim Pariser Konvent angefragt, ob Mainz ein Departement oder Republik werden soll. Die Meinung der Bevölkerung interessierte nUnterhaltung oder4icht (Hansen Bd. II. S. 550). Ohne Weisung des Konvents wurden aber bereits  Kriegssteuern erhoben, um damit die Armee zu finanzieren.     29.) S. 3

Forster forderte am 15.11. 1792 im Klub, Mainz müsse für alle Zeiten bei Frankreich bleiben, der Rhein solle die Grenze zu Deutschland werden. So hatte er in Übereinstimmung mit der frz. Politik - hier Custine - deutlich das alle Maßnahmen bestimmende Ziel formuliert, worauf mit allen Mitteln hingearbeitet wurde, Volkswillen hin oder her.     8.) 9.) 11.) 12.)

Den Vorgaben der üppig alimentierenden  „Franken“ wurde strikt gefolgt (s. Gehalts-/Honorarlisten), durch die Besetzung waren bisherige Erwerbsquellen verschlossen. Folgende Angaben lt. Literatur:

Jeder, der Reden, Aufsätze, Gedichte usw. verfaßte wurde mit monatlich 150 Gulden honoriert.   46.)

Bezahlt wurden die Klubisten  aus Custines Militärkasse. Und deren Mittel waren der Bevölkerung abgepreßt. So haben auch sie an der Ausplünderung mitgewirkt (s. Abschnitt I. und Bericht Kommissar zu Abschnitt II.)

 

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Die Klubisten waren von der Bevölkerung nicht legitimiert, von dieser nachhaltig abgelehnt  und als "Lumpen" bezeichnet (Hansen Bd. II. S. 758).  "In der Vergangenheit sind Deutsche nie durch Frankreich glücklich geworden, am wenigsten, wenn dieses Glück durch Übermacht der Waffen installiert werden sollte ("Mainz im Genusse der durch die Franzosen errungenen Freiheit und Gleichheit...." , Deutschland 1793, S. 6). Als  Kollaborateure  handelten sie allein nach französischen Vorgaben, gegen den Willen und zum Schaden des Volkes... Deren Charakteristik ist nach den Quellen alles andere als schmeichelhaft und bestätigt die Auffassung der Bevölkerung vom Bodensatz der Gesellschaft   ( s. Mathy "Als Mainz französisch war", Mainz)

Das galt auch für die fast gleichnamigen Klubisten in Aachen: "Auswurf des Pöbels". (Rheinische Vierteljahresblätter Jg. 1982). In Aachen war der Widerwille gegen die Besatzer und deren Helfer besonders ausgeprägt, klar und heftig.

Auch Forster hat seine "Klubbrüder" Ende 1792 äußerst negativ beschrieben (Forster "Werke" v. Klein s. 294 und Briefe Forsters im Anhang "Forster")

Der spätere Richter im Departement "Donnersberg", Rebmann, hat festgestellt, dass "ein Teil der Klubisten der Revolution anhing um sich zu bereichern" (s. "Die Deutschen in Mainz" , 37)

Insgesamt waren Klubisten und französische Revolutionsideen ohne Volk, ohne nennenswerte Resonanz, sie wurden verachtet ("Tagebuch von der Belagerung der Festung Mainz 1793" S. 122ff.

Zu Klubist Forster:  Quellen/Nachweise s. "I. Zusammenfassung" und Anhang XIV. "Forster"

 Der dort veröffentlichte und mit weiteren Fakten dokumentierte Briefwechsel zeigt Forster widersprüchlich und als Unterdrücker. Seine Verehrer mögen nachweisen, inwiefern er als Demokrat gesehen werden kann. Seine eigenen Zeugnisse, sein Handeln beweisen ihn als gekauften Opportunisten, der ohne Rücksichten das Geschäft der Franzosen besorgte. Seine Briefwechsel, seine Schreiben über viele Jahre lassen unmittelbare Schlüsse zu. Vereinnahmungen und Zuschreibungen können hiernach keine Rolle spielen, die menschenverachtenden Äußerungen zu den gequälten Bürgern tun ein Übriges. Viele Despoten (nicht nur Monster wie Stalin) werden heute noch von zahlreichen Anhängern als  Wohltäter der Menschheit bezeichnet. Warum dann nicht - viele Etagen tiefer - auch Forster? Als einziger Referenz bedarf es nur das Wohlwollen Gleichgesinnter, ohne lästige und belastende Fakten berücksichtigen zu müssen.

Der in ständigen Geldnöten steckende Forster habe von Custine das zweieinhalbfache seines früheren Gehaltes als kurfürstlicher Bibliothekar erhalten (1800 Gulden "Grundgehalt" und 400 als Zulage). Ein Mainzer Handwerker hatte mit höchstens 300 Gulden jährlich einen guten Verdienst.   46.) 61.) 65.)

Die führenden Klubisten zählten überwiegend nicht zu den eingeborenen Mainzern, kamen nicht lange vorher in die Stadt, Forster erst 1788. Sie suchten hier Erwerb und Karriere – das setzte sich im Klub fort. Forster pries bei seiner Anstellung als Hofbibliothekar und noch kurz vor der Eroberung  in ganz und gar nicht kosmopolitischer und devoter Weise den Kurfürsten, dass er ihm nicht nur höchsten Wohlstand, sondern auch ein Vaterland geschenkt habe...Bei der allein in Betracht kommenden zeitgenössischern Beurteilung mußte Forster  nach seinen Elogen mit der späteren Agitation   gegen Kurstaat und Kurfürst als Verräter und "Wendehals" gelten.                                     22.), 11.) 45.) 61.) 65.)

Neben seinem außerordentlichen Gehalt als Bibliothekar - ohne Erledigung grundsätzlichster Aufgaben -  fertigte er mit Hilfe Dritter ständig Übersetzungen, für die er von den Verlegern Spitzenhonorare erhielt. Die trotzdem weiter anhaltende Geldnot - bereits bei seinem Vater durch dessen Spielsucht notorisch - läßt sich durch seine Haushaltsführung und familiäre Kosten oder außergewöhnliche Anschaffungen weder erklären oder gar belegen. Die Briefe seiner Ehefrau geben dazu nichts her. Gründe für die völlig außerhalb herkömmlicher Lebensführung  liegenden Schulden lassen sich nur vermuten. Väterliches Erbe?  In Mainz hätte das in unmittelbarer Nähe der Lesegesellschaft eingerichtete Lotteriehaus Gelegenheit geboten. Das Lotteriespielen in Mainz war über den 30. 3. 1793 hinaus möglich. Es war bekannt, dass sich hierfür anfällige  Personen durch Gewinnspiele leicht ruinieren konnten.               (Scheel Bd. 3 S. 515).

Forster hat  am 1. 11. geschrieben, dass er - wieder  völlig verschuldet  - sehen muß, anderweitig eine hinreichende Versorgung zu bekommen. Während er kurz vorher den "Klub" noch als Schwindel bezeichnete, ist er Anfang November wegen seiner pekuniären Zwangslage dort eingetreten. In einem Brief vom 21. 12. 1792 erklärt er offen und eindeutig: "Die Revolution hat mich gesund gemacht".  Forster stand jetzt auf Custines Gehaltliste, war dessen Sprachrohr, erhielt etwa das Doppelte wie beim Kurfürste: 5000 Gulden. Wes Brot ich ess....  54.) 61.) 65.) Anlage Forster.)  "Die alten Franzosen..."  bei Kellermann v. 1793 S. 50)

Forster war aber nur 2. Wahl, Notnagel. Custine bemühte sich  um den in der Bevölkerung  sehr beliebten und fähigen Johannes von Müller, versprach ihm die Regierungsspitze, gar einen Sitz im Pariser  Nationalkonvent. Müller hatte kein Interesse, zog eine Position in Wien vor (Hansen Bd. II. S. 348/587/J. v. Müller "Sämtliche Werke" XXXI. S. 51f)). 

Der bei der Eroberung von Mainz eine zwielichtige Rolle spielenden Eickemeyer begründete am 3.11.92 in der "Mainzer Nationalzeitung" den Übertritt aus kurfürstlichen in französische Kriegsdienste damit, die "Gelegenheit zur Verbesserung seiner Umstände" benutzt zu haben. Das könnte für alle "Wendehälse" gelten.                         46.) S. 143

Forster, dem von Schlegel und anderen  Freunden dramatische Einbildungskraft und strikte Einseitigkeit bescheinigt wurde, hat immerhin erkannt, dass "die Franken in Deutschland ebenso planlos und widersinnig als die Klubisten zu Werke" gehen.  Im Januar 1793 hat er geschrieben, dass die Mainzer nicht Franken sein wollen - aber weiter geholfen, der Bevölkerung den Willen der Franzosen aufzuzwingen.    61.)

Sömmering an Heyne (Schwiegervater Forsters): "Forster hat sich leider überall mit fürcherlicher Härte betragen. Sein Zweck war, nach Paris deputiert zu werden, hierfür erlaubte er sich jedes Mittel.....wie sehr es mich jammert, Forster so verführt zu sehen...können mir kaum den Grad seiner  Heftigkeit schildern; man glaubt, er sei nicht ganz bei sich".  54.)  61.)

Schiller als zeitgenössischer und kundiger Beobachter an Körner am 21. 12. 1792: „Die Mainzer (Klubisten) zeugen mehr von einer lächerlichen Sucht sich zu signalisieren als von gesunden Grundsätzen, mit denen sich ihr Betragen gegen Andersdenkende gar nicht reimt…. Forsters Betragen wird gewiß von jedem missbilligt werden; ich sehe voraus, dass er sich mit Schande und Reue aus der Sache ziehen wird.     11.)

"Man stelle sich unter Forster keinen Menschen mehr vor. Er hatte alle Empfindung und Ehre für Nebenmenschen ganz seinem Ehrgeiz nach Paris geopfert."     11.)  61.)

Forster: "Es ist unglaublich, wie stupid das Volk ist, jetzt kommt ihre Leere und Charakterlosigkeit erst recht zum  Vorschein...Stumpfheit der Mainzer". 61.) 62.)

"Seitdem ich weiss, dass es keine Tugend in der Revolution gibt, ekelt es mich an. ...herzlose Teufel wie sie alle hier sind (Brief an seine Frau aus Paris v. 16. 4. 1793).

Auch bei Forster zählen nicht Worte, Gedanken und Gesinnung, allein das Handeln ist entscheidend. Hier ist - wie dargestellt - das Ergebnis katastrophal. Von dem Demokraten Forster bleibt nichts, er reihte sich in die Unterdrücker ein, hat in zynischer Weise gegen die Bürger agiert. Beispiele sind unter "I. Zusammenfassung" nachgewiesen. Auf das besondere Kapitel Forster mit seinen Irrungen und Wirrungen soll  im Rahmen dieser Ausarbeitung nicht näher eingegangen werden: Hier geht es  nicht um dessen  Psychogramm, sondern um das Leid der Bürger. Forster tat in Mainz alles, um die Einverleibung zu beschleunigen und die Botschaft nach Paris zu bringen. Dort erhoffte er sich Stellung und entsprechende Honorierung, eine Rückkehr  war für ihn ausgeschlossen.

Wie sehr er sich in Mainz und mit seinen dortigen Aktivitäten geirrt hatte, konnte er erst mit der Distanz aus dem revolutionären Paris und den Greueln des "Terreur" erfassen.     55.) 11.)

Bei dem direkt gelenkten Weg zum baldigen Anschluss waren die Klubisten  gut bezahlte und deshalb willige,  skrupellose Vollstrecker. Sie leiteten Einschüchterungs- und Militäraktionen gegen Andersdenkende, sorgten persönlich mit Waffengewalt für die  Deportation von Eidverweigerern (s. V.). Die nachhaltige und aktiv mitgestaltete Unterdrückung war mit vorgeblichen demokratischen oder freiheitlichen Absichten unvereinbar. Die Klubisten waren Diener der Besatzer, deren Kader, ohne die nicht denkbar. Von dort wurden nicht nur die oben genannten Häupter bezahlt, sondern auch die Presse finanziert und für jede Rede und jeden Artikel gut gelohnt. Auf diese Art und Weise konnten sie sich ohne eigene Erwerbsarbeit voll und ganz den ihnen übertragenen Aufgaben widmeten (s. Falck: "Germain Metternich" Mainz 1954 S. 16 ff.)

Die massive Produktion von Druckerzeugnissen sollte die öffentliche Meinung im Sinne der Franzosen beeinflussen, Gegenstimmen kamen nicht zum Zug. Dieser Aufwand trug jedoch kaum Früchte, die Bürger erlebten ein bedrückendes Besatzungsregime, die Lebenswirklichkeit entlarvte die unredliche Propaganda , die überwältigende Mehrheit wollte von der "frohen Botschaft der Franken" nichts wissen (Dumont "Republik" S. 114ff).

"..Die schändlichen Klubisten...waren Sbirren und Häscher..gegen die eher feindlich als gut gegen die Franzosen gesinnten Einwohner" (so Forster im Brief an seine Frau vom 6. 9. 93 in "Briefe Forsters" S. 93).

"Diese Gesellschaft ist ebenso bösartig wie die Pariser Jakobiner" (Hansen Bd, II. S.604)

Klubisten: "Die Mainzer würden sich erst dann zur fränkischen Konstitutionen fügen, wenn man die Köpfe einiger auf Piken spazieren getragen hätte"(Mainz im Genusse der durch die Franzosen errungenen Freiheit und Gleichheit, 1793". S. 7 ff.)

 Mangels eigener Mittel und Möglichkeiten waren die Klubisten  völlig abhängig von der sie finanzierenden Besatzungsmacht, auf deren Wohlwollen angewiesen. Als die Klubisten nicht "parierten", wurde der reduzierte Klub  nach der Abstimmung im Februar 93 ohne Federlesen durch die letztendlich entscheidenden Pariser Kommissare aufgelöst (s. unten).

In den übrigen besetzten Gebieten  gingen die Franzosen nach gleichem Muster vor. Im Deutschen Reich bedienten sie sich bei der "Raurakischen Republik" und in Aachen - dort mit fast identischer Klubbezeichnung - ebenfalls ortsansässiger, mehrheitlich  nicht eingeborener Helfer. Kollaborateure oder Quislinge - die Geschichte definiert für den  vorliegenden Sachverhalt diese Begriffe  zutreffend. 

Die gegenseitige Distanz und Verachtung zwischen  Klubisten und Bevölkerung zeigte sich offensichtlich. Vom Lumpenklub war die Rede auch im Bericht des Kommissars Simon nach Paris (s. Full text of "Mayence: 1792-1793" Nr. 65).   Mainzer mit ursprünglicher Hinneigung zur französischen Revolution verloren diese, fühlten sich abgestoßen.  78.)

Die von Zuschauern bei den Klubsitzungen gern besetzte Galerie bot ansonsten fehlende Kurzweil und Gelegenheit, den Stimmungen freien Lauf zu lassen, Unterhaltung zu genießen.

Für viele der Zuhörer war der Klub  Ersatz für das mangelnde einheimische Theater (46. S. 21.) Politische Relevanz lässt sich daraus nicht ableiten. Nicht genehme Redebeiträge wurden niedergeschrieen, fallweise von den Zuschauern oder den Klubisten. "Es war was los."  26.) 65.) 78.)

Als am 31. 10. 1792 Erasmus Lennig in einer Klubsitzung empfahl, den Status quo beizubehalten und von übereilten Erklärungen zur französischen Konstitution abzusehen, so erhielt er tosenden Beifall von den zahlreichen Zuhörern. Die große Resonanz auf Lennigs Rede zeigte sich in spontaner Zustimmung aus der Bürgerschaft und im  Mißvergnügen der Klubisten, die den Abdruck verhinderten. Auch hier ist deutlich, wie gering die Unterstützung durch die  Bevölkerung war.      (s Dumont "Mainzer Republik" S. 247). Nach diesem "Vorfall" war mit  8 Schildwachen und geladenen Gewehren im Versammlungssaal für die "Redefreiheit" gesorgt ("Tagebuch von der Belagerung der Festung Mainz im Jahre 1793" in Stadtarchiv Mainz S. 179ff.).

Zerwürfnisse im Klub gereichten den Mainzern zur Genugtuung. Die Bürger waren den Franzosen und ihrem Treiben äußerst abgeneigt ("Georg Forster in Mainz 1788 - 1793 " v. Klein, S. 294). Die Abstimmung vom 24. 2. 93 quantifizierte die französische Anhängerschaft oder Widerstandsschwäche einiger Bürger gegen Sanktionen unwiderleglich: In Mainz lehnten 92% - auf dem Land 88% - die Abstimmung und damit das ganze daran hängende Programm ab (s. Abschnitt Wahl). Selbst mit gewundensten Auslegungen und bürokratischen Tricks läßt sich nicht daran rütteln. Das war eine demokratische Entscheidung gegen die Franzosen und deren System.

Alle öffentlichen Presserzeugnisse  stammten von Klubisten. Diese Monokultur wurde in der Tat noch Ende des 20. Jh. von interessierter Seite in Mainz als Beleg für Meinungsfreiheit gesehen - mehr als Hohn! Das sind die gleichen, welche die Narrenkappe auf die Jakobinermütze zurück führen  und das noch nachhaltig streuen. Die organisierten Karnevalisten haben bereits in ihren Anfängen mit Wort und Bild klar und deutlich darauf hinwiesen, daß diese Mütze "rot von Blut" mit ihrer jedes Jahr anders gestalteten Kopfbedeckung ganz und gar nichts zu tun habe.  64.) S. 48/49

Vielmehr dürfte die mit der erst ab 1838 üblichen Narrenkappe überformte Jakobinermütze die "Kampagne" von 92/93 als recht närrisch symbolisieren. Maskeraden, Sitzungen, Umzüge und Büttenreden gab es ja reichlich. Sich selbst oder ihre Postulate haben die Protagonisten in echt närrischer Manier nicht  ernst genommen. Dazu war der erhobene Anspruch im Verhältnis zur Wirklichkeit mehr als  offensichtlich. Allerdings waren Unterdrückung, Ausbeutung, Enteignung und Vertreibung für die Opfer der "Befreiung" alles andere als karnevalistisch.

Dass niemand  mit anderer Meinung veröffentlichen durfte und konnte wird schlicht übersehen. (s. Wilke, Institut f. Publizistik Uni Mainz, AZ. v. 27. 9. 14)

Die aus der Mainzer Bevölkerung stammenden Drucke - "Samisdat" - mußten anonym bleiben, haben aber die Bedrückungen und die Diskrepanz zwischen Propaganda und Wirklichkeit sowie  das Elend der Besatzungsherrschaft überzeugend beschrieben (Schöne Raritäten ...v. 1793/Über die Verfassung von  Mainz 1792/Über die mainzische Konstitution 1792/Zuruf eines deutschen Bürgers 1792 usw.). Neun  von der Besatzung finanzierte Zeitungen haben zusammen mit Aufrufen, Sonderveröffentlichungen und Wandzeitungen ein propagandistisches Trommelfeuer auf die Bürger gerichtet, die sich aber angesichts der wirklichen Verhältnisse hiervon kaum beinflussen ließen.

Der Weg zur Abstimmung über einen Konvent und damit Entscheidung sowie anhaltende Bedrückungen ließ auch die letzten Mainzer wach werden. Die "Überzeugungskraft der revolutionären Ideen" und der angestrebten Ziele sowie die ideologische "Festigkeit" der Klubisten zeigte sich deutlich daran, dass nur ein Drittel der verbliebenen 150 Klubmitglieder an der Abstimmung vom 24. 2. 93 teilnahm. Umgehend wurde der Klub aufgelöst.

Der Klub galt als Trommel und Knüttel der Franzosen, hat für diese und gegen die Bevölkerung gearbeitet. Darin lag seine alleinige Wirksamkeit. Die üblichen Stilisierungen sind weder durch Fakten noch Rückkopplungen aus der Bevölkerung begründbar.  In den wenigen Monaten seines Bestehens war der Jakobinerklub  Anhängsel der Franzosen, deren Willen wurde exekutiert. Im März, nach der Abstimmung, wurde der unbedeutend gewordene "Urklub"  zwar mit theatralischen Gesten (Säbelhiebe in die  Luft!), aber ohne Federlesen unmittelbar und recht beiläufig erledigt. Nach Auffassung des auflösenden Nationalkommissars, dessen Willen als entscheidend angesehen wurde, hatte er seine Schuldigkeit getan. Damit  bestätigte sich der Klub als bloße Marionette  in völliger Abhängigkeit einschließlich Finanzierung von der steuernden französischen Besatzungsmacht, wie sie auch  in den Konventsberatungen zum Einverleibungsdekret zum Ausdruck kam ("Die Franzosen wollen es so").     65.) 78.)

Die nahezu geräuschlose Auflösung zeigt die Bedeutungslosigkeit der Klubisten, die als Kollaborateure in allen Dingen von den Franzosen völlig abhängig und weisungsgebunden waren,  weder ernst genommen noch geschätzt wurden.  Spätestens mit Fernbleiben  von der Abstimmung hatten sich diese Klubisten als unzuverlässig erwiesen, nicht mehr erwartungsgemäß funktioniert. Weil mit der Abstimmung - und trotz des  desaströsen Ergebnisses - für die Franzosen ein wichtiger Etappensieg ("Wahl" erfolgt)  erreicht war, konnte man sich der Klubisten entledigen. Die waren nun entbehrlich, die formal benannten wenigen "Nachfolger" waren ganz anders und in leitenden Funktionen eingebettet, hatten mit dem ursprünglichen Klub nichts mehr zu tun. 9).,  Scheel "Mzer Republik" Dok. 12 S. 243 Bd. 2.

Der heftige Sympathisantenschwund ab Ende 1792 war auch von der mit vielem Beiwerk versehenen Setzung eines neuen Freiheitsbaum am 13. 1.93 nicht aufzuhalten (Der vorherige war mehrere Mal besudelt und nächtens zerstört worden). Der Baum war jetzt überhoch und musste durchgehend bewacht werden, um "Schändungen" zu verhindern. "Freiheitsbäume" waren planmäßiges Mittel der politischen Agitation,  verordneter Akt statt fröhliches Volksfest.    48.)

Dieser neue Baum wurde mit großem Gepränge, Fahnen, Defilees, schauspielerischen Einlagen, flammenden Appellen mit viel Gesang und Musik durch die Stadt  zum Marktplatz getragen. Beim Aufstellen drohte der Stamm zu zerreißen, mußte armiert werden. Für viele ein Symbol. Wieviel Mainzer das Spektakel verfolgten ist unklar, die Quellen widersprechen sich. Den angesetzten Ball boykottierten die Mainzer Frauen (s. "Forster in Mainz v. 1788-1793" v. Klein S. 295/296). Als potentielle Schaulustige kamen gegenüber erwachsenen Bürgern das Vielfache an einquartierten Franzosen in Betracht. Zuschauer - ob Zivil oder Militär - sagen im Übrigen möglicherweise zwar etwas über das Bedürfnis nach Ablenkung, aber nichts zu Akzeptanz. (s. Georg Forster - im Anblick des großen Rades , Hg. Wuthenow, Luchterhand-Verlag, S. 119).

Zum 40. Jahrestag der DDR waren im ganzen Land Heerscharen singender, jubilierender und beifallsklatschender junger Menschen unterwegs, schwenkten Fahnen. Wenige Tage später war die innerlich völlig verrottete DDR-Republik erledigt.   (Hansen Bd. II., S.700)

 Bekundungen solcher und ähnlicher Art sind völlig wertlos, ob 1792/93 oder DDR.

 

 Der frz. Stadtkommandant d`Oyre nach der Kapitulation im Juli 1793:

"Trotz Ausweisungen und sonstiger Maßnahmen waren die Einwohner uns so wenig gewogen, daß nur etwa 150 Anhänger unserer Prinzipien festzustellen waren, wovon zwei Drittel sich weigerten, nach Frankreich zu gehen".                      46.)

Damit sind die aktiven Unterstützer der französischen Politik im wesentlichen quantifiziert. Es lassen sich bereits nach  6 Wochen ab Eroberung höchstens 150 tätige Personen finden, jedenfalls kaum mehr. Die Daten sind eindeutig. Temporäre Besucher der Klubsitzungen zählen hierbei nicht.  Die Reaktionen der Mainzer Bürger - und auch auf dem Land - zeigten durchweg Ablehnung, es gibt keine belastbaren Fakten für eine nennenswerte Zustimmung. Es ist höchst unseriös, bei diesen Zahlen demokratische Abläufe und Absichten zu behaupten. Die gibt es nicht gegen die Majorität.

Auch dem heutigen Betrachter müssen die frz. Parteigänger völlig unglaubwürdig sein: Diejenigen, die französische Grundsätze mit allen Gewaltmaßnahmen durchsetzen sollten, waren von denen selbst nicht überzeugt. Ansonsten wären nicht so viele  Klubisten bei der Abstimmung fern geblieben oder wäre zu erwarten gewesen, dass die Verbliebenen  nach der Kapitulation mit Jubel und Freude in das "Mutterland der Freiheit" gingen.

 Die Klubisten erklärten nicht nur wahrheitswidrig nach außen, die Bevölkerung des besetzten Gebietes nehme freiwillig die frz. Verfassung an, sondern sie ließen sich auch zu den verwerflichsten Zwangshandlungen gegen ihre Mitbürger hinreißen (s. Hansen Bd. II. S. 70/71). Gleiches galt für Aachen: Die Franzosen und  Klubisten wurden verabscheut (a. a. O. S. 77)

Die im Konvent gelandeten "Hardliner" des Klubs taten sich  dort mit den entsetzlichen Enteignungs- und Deportationsdekreten hervor und betrieben  nach Ende der Republik  die Massenvertreibungen für die Franzosen  weiter.  Skrupellose Söldnermentalität.

Die  rheinischen Zeitungen gaben die allgemeine Meinung wieder, wonach einige Spitzbuben und Schurken in den "Klubben" für das Elend der Bürger in den besetzten Gegenden verantwortlich waren (Hansen. Bd. II. S. 887).

 Überall gerieten die „Klubisten“ in ein politisch, ja sogar moralisch schlechtes Licht. So wie in Spottgedichten, in denen sie als regelrechte „Anarchisten“, als Staats- und Gottesverächter, als dunkle Elemente erscheinen (s. Dumont "Revolution" auf dem Land - Klein-Winternheim in der Mainzer Republik 1792/93")

Die so oft beschworenen revolutionären Verhältnisse (welche sollten das gewesen sein?), gar eine Revolution, entspringen Wunschdenken. Davon kann  keine Rede sein. Die Klubisten waren als kleine und bald kleinste Minderheit isoliert und nicht repräsentativ.  Die Mainzer wollten mit ihnen und den propagierten Zielen nichts zu schaffen haben, ließen sich nicht agitieren, wünschten sich die vorherigen Zustände zurück. 

"Der größte Vorwurf, den man dem Klub machen kann, ist vom Volk abgeschnitten geblieben zu sein. Man nennt diesen Klub "Lumpenklub" und man hat das Gefühl, dass die Tätigkeit der Klubmitglieder nicht immer uneigennützig ist. Der Eidzwang hat den Klubmitgliedern gleichfalls geschadet." (s. unten). Die wenigen Sympathisanten/Klubisten, die sich durch die Abstimmungsbeteiligung in etwa quantifizieren lassen, konnten weder für die Bevölkerung sprechen noch die Zwänge bemänteln. Die Umstände und Ergebnisse der Abstimmung zeigen  deutlich den Willen der überwältigenden Bevölkerungsmehrheit.  Die Mainzer fühlten sich abgestoßen.  78.)  9.), 26.)     Les revotion due monde moderne...Alain J. Lemaitre - 2006, France/Pensee et pratique revolutionneres...v Marita Gill1983 - Allemagne - Politique et Gouvernement - über Google notiert)/Kommissar Simon zu "Lumpenklub" in Full text of "Mayence: 1792-1793" Nr. 6512.), 68.), 72.),

Zur Charakterisierung des "Lumpenklub" mit einigen Lächerlichkeiten: s. "Tagebuch von der Belagerung der Festung Mainz 1793", S. 470ff, FO Stadtarchiv Mainz. 

Entkleidet von allen weltanschaulichen Überhöhungen reduzieren sich die Klubisten auf aus unterschiedlichen Gründen Unzufriedene, Opportunisten, kalkulierende Karrieristen, fehlgeleitete Idealisten, Gewinnler. Ähnlich negative Charaktere werden in dem "Tagebuch von der Belagerung der Festung Mainz..." auf S. 470 beschrieben. Zu allen Zeiten und in allen Kulturen haben sich Kollaborateure gefunden, die Usurpatoren bei deren Geschäft zur Hand gingen, ohne sich mit lauteren Motiven zu beflecken. Der später als Journalist, Schriftsteller und Poltiker tätige  unverdächtige Zeitzeuge Weitzel  beschrieb die Klubisten nach Besuchen in deren Versammlungen  als eine "Rotte von Ehrgeizigen und Habgierigen". Weitzel stellte den Akteuren ein sehr negatives Urteil aus. (Weitzel "Das Merkwürdigste aus meinem Leben und meiner Zeit", Brockhaus 1821").

Unpassende Meinungen wurden unterdrückt.  11.)  60.) 63.) 78.)

Ein Mitglied der Munizipalität  "Der Klub besteht aus lauter Lumpen und Halunken"(Hansen II. S. 758)

Die Klubisten waren bei den Mainzern Bürgern verhasst (Dumont "Republik" S. 470ff)

Bei den Ausweisungen (s. IV.) bereicherte sich ein Großteil der Klubisten. (s. 46 , S. 78

Bei den durch Beschießung und klubistische Brandstiftung zerstörten Häusern wurden deren Gelasse erbrochen und geplündert (Hansen Bd. II. S. 886)

Die Forschung beschreibt die Klubisten als gräßliches Übel für alle Andersdenkenden, skrupellos und wider alle Postulate zu Menschenrechten und Selbstbestimmung die Bürger nachhaltig und grausam unterdrückend ("Der Weg in die Terreur", Daniel Schönpflug, Oldenbourg Verlag, Reihe Pariser Studien)

Nach dem 2. Weltkrieg  sind die bekanntesten Beispiele Ungarn 1956 und CSSR 1968, wo sich ebenfalls "Patrioten und Freiheitsfreunde" im Land fanden, die den Panzern sich sorgender Nachbarn den Weg bahnten und  bei der Installierung ganz unbekannter Formen der Demokratie und Freiheit halfen. Die Klubisten als potentielle Demokraten zu sehen hieße,  blind gegenüber deren rücksichtsloses  Vorgehen zu sein.  Sie  waren bedenkenlose Erfüllungsgehilfen, folgten den  Besatzern,  übernahmen deren Ziele und Propaganda, setzten zynisch die Vorgaben mit allen zur Verfügung stehenden  (Gewalt-)Mitteln um. In Aachen waren die Zwänge gleich (s. Abschnitt Republik), die Kollaborateure ähnlich zusammengesetzt und hatten für ihren Klub fast den gleichen Namen wie in Mainz.

Damit ist die gern herbeigeredete Besonderheit der Mainzer Klubisten als demokratische Wegbereiter denunziert. Die Franzosen haben sich jeweils schlicht der kollaborationswilligen Bürger bedient, diese "eingekauft".

Forster ist ganz offensichtliches, von ihm selbst eingestandenes Beispiel (s. Anhang Forster).

Außerhalb des klubistischen Kerns von höchstens 150   Personen läßt sich keine Akzeptanz oder gar Unterstützung in der Bevölkerung finden. Dagegen ist Ablehnung und Widerwillen gegenüber der französischen Despotie und deren Ziele durchgehend dokumentiert. Allein die große Zahl der Menschen, die sich lieber enteignen und vertreiben ließen als auf die Grundsätze der französischen Verfassung zu schwören, zeigt das überdeutlich.

Der Wille der Bevölkerung ist offensichtlich,  die verschwindend wenigen  Kollaborateure waren für die Franzosen unzuverlässig (s. Abschnitt "Wahlen" und Berichte der Pariser Kommissare), galten allgemein als "Lumpen". Die Fakten lassen es bei Charakter, Funktion und Zahl der Klubisten nicht zu, diesen  über eine  Hilfstätigkeiten hinaus gehende Rolle zuzuschreiben.

Die im Zusammenhang mit dem 2. Weltkrieg angestellten Untersuchungen zu Kollaborateuren in den  von Deutschland besetzten Ländern ergab, dass es sich bei den aktiven Personen ähnlich der Klubisten (z. B. diejenigen, die sich freiwillig zur SS meldeten) um etwa 2% der Gesamtbevölkerung in Frankreich und um 0,152 in Holland bzw. 0,151 in Norwegen handelte. Offensichtlich genügen solche Minimalmengen, um den jeweiligen Besatzern nützlich sein zu können - so wie auch in Mainz im Mikrobereich.

Die recherchierte Besatzungsherrschaft in den  von Deutschland im 2. WK eroberten Ländern gleicht mehr als zufällig den in den linksrheinischen Gebieten etablierten Strukturen und Unterdrückungsmechanismen (Vichy-Regime). Gewalt und Zwang drücken sich unabhängig von der Ideologie stets gleich aus (uni-muenster/Haus der Niederlande/NiederlandeNet/NL-Info/Geschichte/1940_1945/widerstand_kollaboration/Dr.Fühner- / Wikipedia: Kollaboration in Frankreich 1940-1944

Die Menschen und ihr Schicksal, deren Herrscher und Regierungen können  nur nach den  aktuellen Umständen der jeweiligen Zeit  beurteilt werden. Vergleiche über Jahrhunderte sind unnütze   Spekulation. Absonderlichste Konstellationen kämen zustande.

Es wäre Beleidigung  unseres Grundgesetzes, dessen wirkliche  freiheitliche und demokratische Strukturen in einem Atemzug mit den  skrupellosen Klubistenführern zu nennen. Deren Aktionen würden  ständig und nachhaltig gegen alle Grundgesetzartikel verstoßen haben. Die lieferten das klassische Beispiel propagandistisch umgefälschter, willkürlicher Diktatur.  Bei allen Schwächen des Kurstaates: Dessen Gesetze hätte solches Unrecht nicht zugelassen. Der Bürger war - soweit das in einem solchen aufgeklärten Staat erwartet werden konnte - gegen derartige Übergriffe geschützt, er hatte seine Rechte, konnte die wahrnehmen. Ganz anders in der Militärdiktatur. Es sollte jedem anhand der Fakten möglich sein, zwischen der Propaganda und der Lebenswirklichkeit  zu differenzieren. Es kann nur um letztere gehen, nicht um das, was hypothetisch irgendwann einmal möglicherweise der Fall hätte sein können.   22.),  29.) 

Wir sollten uns hüten, bei den "Jakobinern" das Gewicht und die Bedeutung der demokratischen Bestrebungen zu überschätzen (s. "Jakobiner in Mitteleuropa", Hrsg. H. Reinalter, Inn-Verlag 1977).

Aus Paris zur Überwachung und Lenkung angereiste Kommissare haben ihre Einstellung gegenüber diesen „nachäffenden“, sich als vaterlandsfrei und kosmopolitisch (so z. B. der „Kosmopolitische Beobachter“) gebärdenden Klubisten klar ausgedrückt: „Der Kosmopolitismus ist nichts mehr als eine äußerliche oder moralische Landstreicherei. Wir (die Franzosen) bedürfen und haben die Mitgliedschaft in einer politischen Gesellschaft als Vorzug." Die Kommissare waren gegenüber Klubisten und Militär weisungsbefugt.                     6.), 7.)

Einer der bedeutendsten französischen Historiker des 19. Jh., Albert Sorel, stellte fest, dass die „Versammlungen der Mainzer Klubisten und deren Äußerungen den Pariser Zeitungen und dem Geschwätz der dortigen Redner entnommen schienen. Sie arbeiteten auf den Anschluß an Frankreich los... Diese deutschen Demokraten... nichtsnutzige Prediger oder fortgelaufene Mönche“. Sorel sieht die feudale Expansionspolitik mit deren Hilfe wieder aufleben. Von positiver Beurteilung der Klubisten oder Würdigung der hier so im Schwange stehenden "Republik" ist in der seriösen französischen Geschichtsschreibung nichts zu finden. 6.) 7.), 25.)

"Die deutschen Jakobiner" waren objektiv ohne Volk geblieben. Man wird gut daran tun, den festgestellten realistischen Befund für die Wirklichkeit zu nehmen und nicht solange an ihm herumzudeuteln, bis die "Jakobiner" unter Zuhilfenahme von Definitionskriterien aus weiter fortgeschrittenen Gesellschaften so progressiv und revolutionär werden, wie sie es aufgrund der materiellen Verhältnisse in Deutschland gar nicht sein konnten" (Prof. Fehrenbach "Vom ancient Regime zum Wiener Kongress", Oldenbourg-Verlag S. 61 ff)

Auch mit allen Kunstgriffen läßt sich eine absolute Minorität nicht in den Status einer legitimierenden demokratischen Majorität hieven.

Die Klubisten hatten keine Gestaltungsmöglichkeit, waren als befohlene Häscher und Exekutoren für die Franzosen in allen Belangen willige Erfüllungsgehilfen, verhasst und verachtet. An den Fakten vorbeigehende Interpretationen können nicht ernst genommen werden.

Nach deutscher Wiedereroberung holten sich die mit den französischen Soldaten teils in Frauenkleidung versteckt abziehenden Klubisten bei Entdeckung blutige Köpfe von denen, die sie vorher um Heimat, Wohnung und Vermögen gebracht hatten (s. IV.). Französische Zivilisten blieben unbehelligt. Die Klubisten waren nicht vom Kapitulationsabkommen erfasst, die Franzosen schützten sie nicht. Kapitulationsverhandlungen legen fest, wer frei und unbehindert aus der übergebenen Stadt abziehen darf. In Mainz war das offensichtlich nur für  französische Militär- und Zivilpersonen vereinbart, die Klubisten waren weder das Eine noch das Andere, hätten gegen deutsche Gefangene ausgetauscht werden sollen. Die prominenten Klubisten verschmähten das, zogen auf eigene Faust los (Dumont "Mzer Republik", S. 473). "Die Klubisten waren in der Kapitulation übergangen... sie wurden aus der abziehenden Kolonne herausgenommen, ohne daß sich die Franzosen widersetzten. Das Volk fing an, sich derer zu bemächtigen. ...dass die Gefangennahme von unten herauf wirkte, deucht mich gut. Das Unheil, das diese Menschen angerichtet haben, ist groß. Dass sie nun von den Franzosen verlassen, ist recht der Welt Lauf.." (Goethe "Gespräche", Bd. 8).      27.) 40.)

Bezeichnenderweise wird Goethe in den "republikfreundlichen" Rezeption  unvollständig und lediglich mit den Prügeleien zitiert. Goethe läßt keinen Zweifel daran, daß die Klubisten schwere Schuld auf sich geladen hatten. Allein deren  bedenkenlose Gefügigkeit bei den vielen tausend enteigneten und innerhalb von 24 Stunden deportierten Bürgern würde ohne jede weitere Wertung ein gewisses Verständnis für die Übergriffe wecken können. Die Bürger hatten eine klare Meinung: Lumpen. Die Quellen belegen deren übles Wirken. Die Überhöhung in der ergebnisorientierten Literatur führt aufgrund der klaren Fakten zu Unverständnis, hinterläßt Ratlosigkeit. Alles Mägde?

Die vor den Stadtgrenzen wartenden, enteigneten und vertriebenen Mainzer Bürger wollten das ihnen und ihren Familien angetane Elend an den flüchtenden Klubisten wenigstens mit Prügel entgelten. Das ist menschlich,  allzu verständlich, wurde aber nicht geduldet. Das von den PdMR-Initiatoren ohne weitere Belege gestreute Lynchen ist jedenfalls da falsch, wo es Ermordung implizieren soll.  Man erinnere  im übrigen den Umgang der Franzosen mit Kollaborateuren nach dem 2. Weltkrieg. Da kam es umgehend  zu hunderttausendfacher Massenerschießung und mehr als beschämenden Übergriffen  gegenüber Frauen ("Spiegel" 15/66 zu "Häscher im Untergrund"). Dort wurde Kollaboration ganz anders vergolten. Man sehe das, was die Klubisten mit anrichteten, die heftige Unterdrückung, Enteignung und Ausweisung. Demgegenüber wurden sie  von ihren Opfern  pfleglich behandelt.

Die den Klubisten von den vertriebenen und zurückgekehrten Mainzern verabreichten Prügel wären mit den Tränen der Abertausende lange nicht aufgewogen, den ohne jegliche Mittel vertriebenen Familien mit Kleinkindern und Alten. Leid zu allen Zeiten. Und das Elend der Mainzer verschwiegen. Aber denen hat unsere  Hochachtung zu gehören, nicht den zynischen Tätern.

Es war und ist selbstverständlich, daß die für Strafverfolgung zuständigen Organe tätig werden müssen, sofern ein Offizialdelikt vorliegt. Gegen das zumindest bis Frühjahr 1793 weiter geltende Recht - so auch von den Franzosen außerhalb des Besatzungsrechts akzeptiert - des Mainzer Kurstaates haben die Klubisten gewichtig, wiederholt und nachhaltig verstoßen. Insofern waren die einschlägigen Rechtsnormen mit Strafverfolgung zwingend anzuwenden.  (s. Dumont "Mainzer Republik" S. 251).   Erst ab der Einverleibung galt französisches Recht unmittelbar mit Duldung früherer Beschlüsse wie bei den "Republikdekreten" v. 25. - 29. 9. 1793            60.)

Allerdings hat die kurfürstliche Verwaltung gefordert, bei den Klubisten eine zurückhaltende Beurteilung vorzunehmen. Dokumente und gesammelte Daten müssten Vorwürfe beweisen (Beschluß 1793 1/6 Nr. 2 in Stadtarchiv Mainz). Am 25. 7. waren zwischen Landau und Bingen gerade einmal  62 Klubisten arretiert.  Diese verschwindende Minderheit hat  für die Besatzer agitiert, aber unter dem Schutz des Militärs gegen das Volk gehandelt und  gesprochen. Die Klubisten waren nach den Fakten Büttel, ohne eigene Gestaltungsmöglichkeiten und erst recht ohne die ihnen so gern zugesprochenen freiheitlichen und demokratischen Attribute. Im Gegenteil.

42 Klubisten wurden nach der Rückeroberung aus Mainz abgeführt. Damit sollte die Rückkehr der vom Mainzer Konvent am 29. 3. 93 aus der Bevölkerung genommenen und in das Innere Frankreichs verschleppten  Geiseln gesichert werden. Die Bürger mußten bis Oktober 1794 warten...Insofern erfuhren die  Klubisten als Gesetzesbrecher eine vergleichsweise milde und in keiner Weise zu beanstandende Behandlung. Mit den festgestellten Personen sind die Klubisten bzw. Unterstützer quantifiziert. Mit etwas mehr als 100 Köpfen und in ihrer für alle Diktaturen typischen  Rolle als Erfüllungsgehilfen, Vollstrecker und Handlanger bleiben sie ein zwar schreckendes, aber belangloses Grüpplein  ohne Skrupel. Demokratische Zuschreibungen sind grotesk, haben mit den Fakten nichts zu tun, sagen aber eine Menge zu den Exegeten.

Die sich in Mainz kosmopolitisch gebenden „Erzklubisten“ schmiegten sich späterhin in „Fürstenknechtschaften“ ein, nun dort ihren Vorteil und Auskommen suchend (Metternich) und waren im Vormärz nicht mehr zu finden. Wedekind ließ sich gar adeln und verfasste eine Lobschrift über die Aristokratie. Hofmann war als napoleonischer Steuerverwalter tätig, bis er nach einem von ihm zu verantwortenden Fehlbetrag von mehreren hunderttausend Franken seinen Posten räumen musste. Insofern hat sich die obige Charakterisierung bestätigt, mehr wäre zu liefern. 

Die Mainzer im Elend ihrer zerstörten Stadt mussten nach der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Katastrophe der Besatzung mit ihrer „Republik“  unter größten Mühen Wunden heilen und neu beginnen.

Dieses Schicksal hatten auch die kleinen Dörfer um Mainz. Die Ortschaften Finthen und Drais wurden zwischen 1793 und 1804 mehrfach zerstört, 1794/95 das gesamte Vieh und die Feldfrüchte weggetragen, mehrere tausend Obstbäume umgehauen.

 

Die jeweiligen Abschnitte sind auch einzeln zu lesen, deshalb gibt es Überschneidungen und damit partielle Wiederholungen.