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Titel Seiteninhalt

Forster in Mainz v. 1788 bis März 1793: 

Kollaborateur, Unterdrücker und williger Vollstrecker -

 

Nach dessen eigenen und fremdenTexten, zeitgenössischen Zeugnissen Dritter sowie ergänzende Quellen.

Im folgenden liegt der Fokus allein auf der Person Forsters als permanent geltend gemachte Referenzperson. Die Umstände der Eroberung von Mainz und daraus folgende Veränderungen sowie der „Jakobinerklub“ sind in den jeweiligen Abschnitten gesondert untersucht (s. o.).

Vorbemerkung:

Die DDR wollte mit Vereinnahmung der Bauernkriege 1525 und angeblichen „Mainzer Republik“ künstlich eine demokratische bzw. revolutionäre Tradition und damit auch Legitimation schaffen. Sie bediente sich hierbei in heftiger Weise Forsters. Die Rezeption zu „Republik“ und Forster wurde auch nach Erledigung der DDR-Diktatur von interessierten Kreisen ohne kritische Überprüfung zu Herkunft und Begründung nahtlos weiter gepflegt und auch über die pädagogische Schiene gestreut.

Ob „Mainzer Republik“ oder DDR: In beiden Fällen handelte es sich um Vergewaltigung der Bevölkerung mit Fremdbestimmung statt demokratischer Selbstbestimmung. Drakonische Strafen beim Einfordern von Meinungs- und Gewissensfreiheit. Das Volk hat die völlig abgewirtschaftete DDR zu Recht mit Freude untergehen lassen. Gleiches gilt für die ebenfalls auf tönernen Füßen gestandene „Mainzer Republik“, die durch keine Klaubereien oder Wendungen hinsichtlich des zugeschriebenen Anspruchs zu rechtfertigen ist.

Nach den belegten Fakten ist die aktuelle Rezeption nicht nachzuvollziehen, erst recht nicht die Widmungen im öffentlichen Bereich, gar Schulen. Welches Geschichts- und Persönlichkeitsbild soll da vermittelt werden? Forster als käuflicher Opportunist, rücksichtslos gegenüber seinen Opfern, ohne Gewissen? Die Ehrung und Erhöhung solcher Personen fällt auf die Veranlasser zurück. Dagegen wird gern die scheinbar schärfste Waffe gezogen: man ignoriert. Das hat den Vorteil, sich des argumentativen Vergleichs und erwartbar negativen Ergebnissen entziehen zu können. Ein geschichtswissenschaftlicher Offenbarungseid. Scheel hat bei seiner Abkehr (s. unten) von den Mägden der Politik gesprochen.

(Zu Scheel: Der Präsident der DDR-Historikerschaft erhielt von der SED den Auftrag, die „Mainzer Republik“ als demokratische Vorform und Legitimation der DDR nachzuweisen. Er lieferte in 3 Bänden, die Mainzer Kulturschaffenden übernahmen. Nach der Wende kehrte sich Scheel ohne Not von seinem Werk ab. Er sei hierzu als Magd der Politik instrumentalisiert worden. Der Kronzeuge der installierten Rezeption fiel, deren Epigonen wankten aber nicht.

Scheel hat sein Lebenswerk glaubwürdig abgetan. Die lokalen Matadore haben diesen Mut nicht besessen, blieben der bequemen und liebgewordenen Rezeption treu. So wurde Unrecht, Unterdrückung und Gewalt gegen die Bevölkerung verschwiegen - entgegen den offensichtlichen Fakten, an allen Beweiskriterien vorbei).

Diese willkürlichen Verfahrensweisen entlarven sich bei Rückgriff auf valide Quellen von selbst. Die folgende Zusammenstellung zeigt die Haltlosigkeit der Reklamierung Forsters als Demokrat oder Revolutionär. Er hat aus eigennützigen Motiven gegen die Bevölkerung gehandelt. Nicht passende Partien aus seinem umfangreichen literarischen Werk, vielmehr allein die sein Handeln kennzeichnenden schriftlichen Zeugnisse sind beweisend. In der DDR wurde Forster „zur Ehre der Altäre“ erhoben, jedes Wort mehrfach gedreht und gewendet, bis die gewünschte revolutionäre oder präsozialistische Auslegung möglich war.

(s. Pietsch „Georg Forsters Ansichten vom Niederrhein“ in Europäische Hochschulschriften von 1978)

Zur Begrifflichkeit

Eine Revolution muss von der breiten Mehrheit eines Volkes getragen sein, um diesen Anspruch zu erfüllen. Ansonsten ist von einem Putsch zu sprechen. Ein Umsturz der Verhältnisse infolge feindlicher Eroberung und anhaltender Besetzung hat mit Revolution nichts zu tun. Diese erfordert „Gewalt von unten“ aus der eigenen Gesellschaft mit dem Zweck, diese umzustürzen.

(s. Peter Wende, Leiter des Deutschen Historischen Institutes in London:

 Revolutionen - Begriffsgeschichte und Merkmale - wwwhomes.uni-bielefeld..)

 

Forster konnte mit seinem nachhängenden Opportunismus gar kein Revolutionär sein – es sei denn, er hätte für den Umsturz der Besatzungsverhältnisse gekämpft.

Forster beobachtete den Einmarsch der Franzosen im Oktober und deren Agieren emotionslos. Von Freude, Parteinahme oder Willkommen ließ er nichts spüren, verhielt sich neutral, wartete erst die weitere Entwicklung ab, nahm weder Kontakt noch unterstützte er. Ein revolutionär gesonnener Geist hätte zumindest aufmerken müssen. Möglicherweise war ihm das aber gleich. Erst seine Geldnot bewegte ihn zum Anschluss an Custine (s. auch unten). Revolutionäre Gesinnung oder Einklang mit herbeigesehnten Usurpatoren bei deren Einmarsch sieht anders aus…

Weil der Umsturz durch den Einmarsch nach obiger Definition keine Revolution war, Forster erst nach Überfall und gewaltsamer Eroberung auf den Plan trat, konnte er kein Revolutionär sein, war vielmehr klassischer Kollaborateur, der Besatzungsmacht bei Durchsetzung ihrer Ziele behiflich.

Es bedarf keiner Rede, dass Helfershelfer einer Besatzung nach rechtswidrigem Überfall und Stationierung von ebensoviel Soldaten wie Zivilisten zur Durchsetzung fremder Interessen und zur Unterdrückung gegen den überwältigenden und eindeutigen Willen der Bevölkerung Kollaborateure („Quislinge“), aber keine Freiheitskämpfer waren. Als rigide Vollstrecker bekämpften sie die Wünsche der Bevölkerung nach Freiheit von den Franzosen und deren diktatorischen Umfassung der Gesellschaft.

Eine klare Analogie zu den Hunderttausenden französischer Nazisympathisanten im 2. Weltkrieg, die als Kollaborateure gegen die Interessen ihrer Landsleute handelten. Immerhin hatten die Nazis im Gegensatz zu Custine und dessen Helfershelfern nicht beabsichtigt, das besetzte Gebiet zu okkupieren und in den eigenen Staat einzugliedern. Bisher ist niemand eingefallen, die frz. Kollaborateure im 2. WK als Freiheitskämpfer des Vichyregimes zu vereinnahmen. Die erhielten ihren Lohn über die Gewehrläufe der Resistance - die nach Goethe mit großer Schuld beladenen Klubisten wurden nach der Wiedereroberung von Mainz im Verhältnis dazu pfleglich behandelt

Die Kollaborateure im Mainz von 1792/93 werden gefeiert, die gedemütigte Bevölkerung bleibt außen vor: Kunst der Geschichtsschreibung nach Interessenlage!

Die Zufriedenheit mit dem kurfürstlichen System als modernster und tolerantester Gesellschaft ihrer Zeit und Wohlergehen der Bevölkerung schloß den Wunsch nach Veränderung der Verhältnisse aus, beweisen den gewünschten Status quo. Mit anderweitigen Behauptungen soll der wahre Sachverhalt kaschiert werden.

Forster in Mainz

Innerhalb weniger Tage wurde aus Forster als dem Verehrer des Kurstaates und des Kurfürsten Parteigänger und Sprachrohr der Franzosen. Custines. Geldmittel hatten den Sinneswandel unmittelbar und nachhaltig in kürzester Zeit befördert, Forster hatte nun als besoldeter Kollaborateur die Geschäfte der Franzosen zu besorgen. Die Eroberung hatte den Kurstaat umgestürzt. Als Forster am 7. 11. mit seiner von Custine bestimmten radikalen Rede hervortrat, gehörte er zur Minderheit der von den Invasoren getragenen Kollaborateuren. Er kann aus keinen Gründen als Umstürzler gelten, das hatten die Franzosen besorgt. Deren Geschäfte galt es nun aus der Besatzungssituation  gegen die eroberte Bevölkerung zu bebetreiben.

Es ist eine besondere Leistung lokaler Politik und Historiker, die leere Anamnese Forsters zu Systemkritik, Franzosenfreundlichkeit und Umsturzwillen in der Mainzer Zeit bis zu Custines Einkauf als revolutionäre Gesinnung zu deuten. Mögliche franzosenfreundliche Wendungen sind aus dieser Zeit nicht überliefert, fallen eher aus Zeit und Zusammenhang. Die Niederschrift über seine dreimonatigen Reise zum Niederrhein v. 1790 wurde erst 1794 vollendet (via libri net), ab 11/1792 war er mit Custines Salär dessen Parteigänger. Nach Forsters Bemerkungen im Reisejahr 1790 lobte er das Gottesgnadentum der deutschen Fürsten und ihre allseits bekannte gute Regierung ausdrücklich.  Revolutionäre Reflexionen zu Mainz sind  bis Hinwendung zu Custine nicht festszustellen

Nachgewiesene mehrfache Überarbeitung der Reise mit Vor- und Rückgriffen sowie unterschiedlichen Daten der Auflagen 91-94 und Mischauflagen haben im Ergebnis recht wenig mit der unmittelbaren brieflichen Dokumentation zu tun. Die beschäftigte sich in außerordentlichem Maß mit Ehefrau Therese, wobei sie diesen Status nur noch formal besaß. Im Hause Forster war der Hausfreund Huber seit langem Ziel ihrer Sehnsucht und Kindsvater.

 

Wie er selbst deutlich werden läßt, hat ihn seine Überschuldung in die spendablen Arme Custines getrieben. Bis dahin war er treuer Bürger des Kurstaats und wollte es bleiben. Nun hatte er die Erwartungen der Franzosen zu erfüllen.

Ablauf und Nachweise

Der als Weltumsegler, Forscher und Schriftsteller bekannt gewordene Georg Forster war ab 1788 Leiter der Universitätsbibliothek in Mainz.

Als Bibliothekar lobte er den Kurfürst in höchsten Tönen, dessen außerordentliches Gehalt und Möglichkeit zu lukrativen Nebeneinkünften schätzend - und dass er ihm ein „neues Vaterland“ verschafft habe. Die Bibliothek hatte wenig Nutzen von ihm. Seine Zeit gehörte überwiegend den privaten Honorararbeiten. Er hatte mehr Umgang mit Aristokraten als mit deren Gegnern.

Nach der Eroberung der Stadt im Oktober 1792 durch den französischen General Custine blieben die Mittel des Hofes aus.

Nachdem er zunächst den „Jakobinerklub“ als Schwindel bezeichnete, machte Forster ab 7. 11. 92 die französische Sache zu seiner eigenen, forderte und unterstützte die Einverleibung der linksrheinischen deutschen Gebiete bis zum Rhein nach Frankreich. Grund war seine aussichtslose Verschuldung. Er sanierte sich als Mitglied des Jakobinerklubs und Erfüllungsgehilfe der Franzosen mit den ihm aus der französischen Kriegskasse zufließenden Geldern.

Im Gegensatz zu seiner zunächst abwartenden und kritischen Haltung gegenüber den Franzosen und deren Ideen hat er innerhalb weniger Tage eine Kehrtwendung vollzogen und Custines Vorgaben erfüllt. Wes Brot ich ess des Lied ich sing…

Ironie der Geschichte: Forsters Familie stammte aus Schottland (Forrester). Cromwell wollte Mitte des 17. Jh. das Britische Reich mit Königsmord und Massakern zu einer Republik umgestalten. Hierbei verloren die Forrester den größten Teil ihres Vermögens und flüchteten auf den Kontinent.

Die dokumentierten Fakten sind annähernd chronologisch aufgeführt, ergänzt durch Beschlüsse, Äußerungen seiner Briefpartner und weiterer objektivierbarer und detailliert nachgewiesener Daten im Zusammenhang mit seiner Mainzer Zeit. 

Die Beschäftigung mit den Quellen ist deshalb spannend, weil hierdurch jeweilig wechselnde politische, ideologische und opportunistische Tendenzen offenkundig werden.

Texte und Quellen:

Mitte 1788 lobte Forster Kurmainz als einen von vielen Aufklärern verkannten Hort der Toleranz (der ihm unter anderem bis zuletzt das Abonnement des „Moniteur“ aus dem revolutionären Paris ermöglichte).

(s. Georg-Forster-Studien I., herausgegeben im Auftrag der Georg-Forster-Gesellschaft, Berlin Verlag, S.132/133, Beitrag von F. Dumont)

Forster pries 1788 mit einer Eloge den Kurfürsten, dass er ihm nicht nur höchsten Wohlstand, sondern auch ein Vaterland geschenkt habe... Bis kurz vor der französischen Besetzung dankte er dem Fürsten als Schöpfer seiner Zufriedenheit.

a.a. O. S. 134/135, Beitrag von F. Dumont)

„Menschenfreundliche Gefühle bewogen Ew. Gnaden…sich meiner huldreichst anzunehmen und mir mein Vaterland wieder zu schenken. Es ist das Werk Ew. Kurfürstlichen Gnaden, dass ich in Teutschland zufrieden lebe, dass …ein Zeitpunkt des stillen Genusses folgt….dass mir eine wärmere Sonne scheint…“.

(Beilage zu seinen im Jahr 1789 herausgegebenen Druckschriften, s. Hoffmann „Darstellung Mainzer Revolution“ v. 1794 S. 222ff)

Mit den Belangen der Bibliothek hat er sich kaum beschäftigt (s. auch unten). Nach seinen Briefen aus 1790/91 besorgte er ein umfangreiches Übersetzungs/-Autorengeschäft. Zu dem üppigen Salär des Fürsten kamen ganz erhebliche Einnahmen (s. Briefe Forsters 1790/91)

Als Mainzer Hofrat hat er die deutschkatholischen Staaten gegen den Vorwurf der Proselytenmacherei verteidigt:

„Diese Staaten sind mit der Einführung von Druck- und Gewissensfreiheit beschäftigt…in Mainz, wo alles von der Absicht des Regenten, Vorurteile hinweg zu räumen und eigenes Denken zu befördern redende Beweise gibt“

Darüber hinaus:

„Die hiesige Universität hat hier – in Mainz – das rühmlichste Beispiel einer uneingeschränkten Toleranz gegeben – einem Juden den Doktorhut erteilt…wo ich wie alle Gelehrten uneingeschränkteste Gewissens-, Denk- und Preßfreiheit genieße

(Berlinische Monatsschrift , 14. Band, S. 577ff, 1789)

Anschließend ein wiederholtes Beispiel für Forsters Opportunismus und die Fragwürdigkeit seiner Äußerungen. Die werden gern passend verwendet, Verhalten und Äußerungen widersprechen sich, hier im Gegensatz zur späteren „Fürstenfresserei“:

„Hier sind die Fürsten keine Tyrannen, sondern die gottgewollten Führer des ... Volkes. Kein Land rühmt sich so vieler guter Fürsten als gegenwärtig (1790) unser Vaterland. Man fordert keine Beweise von einer Behauptung, von der ganz Deutschland überzeugt ist“ ( s. „Das Rheinland und die frz. Herrschaft“ v. Hashagen 1908 S. 361).

So hat sich Forster im zeitlichen Zusammenhang mit seiner Reise an den Niederrhein geäußert.

Zu dem von beflissenen Exegeten gern als vorrevolutionäre Aktion gedeuteten „Knotenaufstand“ im Jahr 1790 bemerkte Forster:

„Die Geschichte unseres Aufruhrs (Anmerkung von ihm: Eine elende Balgerei zwischen Handwerkern und Studenten bei der damals beginnenden Revolutionsfurcht, eine lächerliche Wichtigkeit im anstoßenden Deutschland gegeben ward) ist sehr verunstaltet worden. Es war ein bloßes Possenspiel („Knoten“ als abfällige Bezeichnung für junge Handwerker und Arbeiter).

(an seinen Vater v. 18. 9. 1790 in: „Briefe Forsters“, hg. von seiner Frau, verh. Huber)

Noch unmittelbar vor der französischen Einnahme hat sich Forster sehr skeptisch zu einem revolutionären Weg geäußert:

„Ich halte dafür, dass Deutschland lange noch nicht reif für eine Änderung seiner Verfassung ist und jeder unvorsichtige Versuch, sie zuwege zu bringen, Ahndung verdient.“

(s. „Georg Forster in Mainz“ v. Klein, Gotha 1863, S. 206/207)

Anfang September 1792 bat er den Kurfürsten um Zustimmung, „in dem Bibliothekssaal das Brustbild seiner Kurfürstlichen Gnaden in Marmor mit einer dankbaren Aufschrift aufstellen zu dürfen. Hiermit ersterbe ich in tiefster Ehrfurcht…“

(s. a.a. O. „Studien“ S. 137, Beitrag von F. Dumont)

Keine versteckte Ironie, aber untertänigste Servilität.

Sein Gehalt als Bibliothekar war außerordentlich. Er verdiente mehr als jeder andere Professor in Mainz. Für private Übersetzungen und Auftragsarbeiten erhielt er Spitzenhonorare, viel mehr als das kurfürstliche Gehalt. Der eigentliche Broterwerb (Bibliothek) litt darunter. Sein Einkommen war beträchtlich. Die Zuarbeiter bekamen von ihm nur wenig. Die Briefe an die Verleger Spener, Dohm, Voß, Heyne und Jacobi von Juli 1790 bis Mai 1791 zeigen den außerordentlichen Einsatz bei seinen Privatarbeiten, der Kurfürst hatte für sein hohes Gehalt nicht viel zu erwarten.

Forster nahm wo es gab – auch ohne Gegenleistung. Selbst den englischen König versuchte er für seine Übersetzungswerke einzuspannen.

(„Georg Forsters Übersetzungsmanufaktur in Mainz“ v. Haug in “Georg-Forster–Studien XIII“ S. 128)

(Briefe Forsters aus „Georg Forsters Werke“ von 1790 bis 1791 S. 150 ff)

Die trotzdem weiter anhaltende Geldnot lässt sich durch Haushaltsführung oder lediglich vermutete teure Investitionen nicht erklären. Die Briefe seiner mit einem neuen Partner getrennt lebenden Ehefrau geben dazu nichts her.

Die notorische, permanente und erhebliche Verschuldung hatte er mit seinem Vater gemein. Dessen Spielleidenschaft war bekannt (s. Johann Reinhold Forster in www.zeno.org/Brockhaus 1809). In Mainz gab es ein Spielhaus wie in allen größeren Städten Europas, am beliebtesten war das mit besonderer Verschuldungsgefahr verbundene Hazardspiel. Dem verfielen insbesondere junge Männer bis zur Selbstaufgabe. Allgemein waren Spiel und Spieler bekannt, wurden jedoch nicht thematisiert. Hierzu gibt Archenholz als Pariser Zeitgenosse Forsters ein beredtes Beispiel. Die Erwähnung der Spielsucht von A. in einem lexikalischen Werk rund hundert Jahre später wurde als anstößig vermerkt, die Spielsucht Mozarts ähnlich im Verborgenen gehalten.

(„Archenholz“ s. Wikipedia)

Die medizinische Wissenschaft weiß, dass Spielsucht zu einem erheblichen Teil erblich mitverursacht sein kann, mittelbar oder unmittelbar. Wenn der junge Forster in einem prägenden Teil seines Lebens über lange Zeit und unmittelbar mit seinem Vater zusammen war, dessen Sucht, Unstetigkeit und permanente, erhebliche Verschuldung miterlebte, so war er gefährdet.  Ab den 1770er Jahren wurden weite Kreise der Bevölkerung von einem „Lotterierausch“ erfasst. Spielsucht ist vor allem ein Problem junger Männer – rund 1,3% aktuell sind davon betroffen.

Es geht nicht darum, welche Ursachen für die finanzielle Misswirtschaft Forsters denkbar sind, sondern wofür sich Indizien finden lassen. Und hier ist es die jahrelange, erhebliche und wiederkehrende Verschuldung trotz exorbitanter Einnahmen.

(s. Caroline Schlegel-Schelling – Das Wagnis der Freiheit – Eine Biographie v. Sabine Appel. Beck-Verlag)

Somit ist es zulässig, von Indizien für die ernsthafte Möglichkeit  einer Spielsucht bei Forster zu sprechen. Andere, in Betracht kommende Möglichkeiten finden sich nicht bei dem Alleinstehenden, Spekulationen ohne geringste Faktenbelege (große „Gastereyen“, aufwendigster Lebensstil, kostbare Bücher) bleiben außen vor.

Ausführliche Quellen zu Entstehung und Symptomatik der Spielsucht mit Rückschlüssen zur Forster´schen Situation finden sich in: „Pathologische Glücksspiele“ aus der suchtmedizinischen Reihe Band 6 der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. Die dortigen Kriterien waren von Forster erfüllt.

Forster suchte und wünschte für Herbst 1792 (!) eine Anstellung in Berlin, erhoffte sich von dort eine Geldsendung. Als diese ausblieb, ging er zu Custine über, erhielt aber wenig später finanzielle Zuwendungen von Preußen über einen Berliner Kaufmann. Die Preußen in Berlin wünschten, er „ möge ein guter Preuße bleiben“. Pikant: Einer der führenden Klubisten ließ sich von preußischen Feinden bezahlen. Das bestätigt die Korruptionsbereitschaft Forsters. Bei seinem Verleger hatte er nach wie vor Schulden.

Dem gleich nach der französischen Eroberung von General Custine initiierten „Jakobinerklub“ wollte Forster nicht beitreten, weil „weder öffentliches Wohl noch Privatinteresse durch einen solchen Schritt erreicht werden… Ich wäre gewiss (Anmerkung: zur konstituierenden Sitzung) hingegangen, um zu hören, was man dort vorzutragen hätte, wenn nicht der Schwindel die Leute schon so weit getrieben hätte, dass sie sich durch einen Eid verbindlich machen wollten.“

(„Forster in Mainz“ v. Klein S. 227, 237/238, 262, 265,268)

Über die Reaktion der Bevölkerung beim Einmarsch der Franzosen:

„Das Volk empfing sie mit einer Art dumpfem Schweigen, ohne lebhafte Zeichen der Abneigung, aber auch ohne allen Beifall und ohne Frohlocken.“

(Quelle: Dumont, S. 76)

Gegen Mittag wurde das Volk vor dem Rathaus zusammengerufen. Die Übergabe wurde von der Bevölkerung mit dem sichtbarsten Unwillen aufgenommen („Belagerung der Stadt Mainz durch die Franzosen...“ Mainz 1793 bei Johann Peter Fischer).

Würde Forster mit revolutionären Tendenzen umgegangen sein, so hätte die erste Begegnung mit den erobernden Franzosen mindestens Freude, ja Begeisterung auslösen müssen. Davon ist nichts bekannt, er verharrte als Beobachter, suchte keinen Kontakt und ließ geraume Zeit verstreichen.. Offensichtlich wollte er zunächst sehen, wie sich die Situation auswirkt und wo seine Vorteile liegen: Wie bisher auch bei den neuen Herren…?

Er war alles andere vom neuen System und dessen Ideen angetan. Erst Custines Einkauf brachte seine Entscheidung.

So zeigt sich auch hier in wünschenswerter Klarheit Forster als der bekannte Opportunist, der mit den einmarschierten Franzosen zunächst nichts zu tun haben wollte.

(Klein a. a. O. S. 229)

Er selbst hat am 1. 11. nach Wegfall des kurfürstlichen Gehaltes geschrieben, dass er auf die eine oder andere Art dringend sehen muss, eine hinreichende Versorgung zu bekommen.

( Klein a. a. O. S. 233)

„…dass ich Not leide, solange die Universität mit ihren Zahlungen ausbleibt und dass dies der Fall mit 20 anderen Familien ist, die dadurch insgesamt gezwungen werden, zu ihrer Selbsterhaltung ganz andere Massregeln zu ergreifen als man sonst von ihnen erwarten durfte.“

(wie oben S. 233. Bemerkung: von den 50 Universitätsprofessoren in Mainz schlossen sich sechs den Franzosen an, vgl. S. 85).

Welche ganz andere Maßregeln das für ihn waren ergibt sich aus dem Ablauf: Er hat sich an Custine verkauft, ab 7. 11. dessen Propaganda und Geschäft betrieben. Insofern muss er die dem Volk vorgehaltene Charakterlosigkeit auf sich beziehen.

Custine hat am 4. 11. dem Pariser Konvent begeistert berichtet, jetzt den nachrangigen Kandidaten Forster gewonnen zu haben, was ihm bei dem bevorzugten Johannes v. Müller nicht gelungen war. Forster ließ sich am 5. 11. für den Klub vorschlagen und am 7. 11 aufnehmen. Am 15.11. erklärte er eine vorbehaltlose Adresse an die Franken, und das bei seiner ersten öffentlichen Reaktion zu den Franzosen überhaupt.... Das bedeutet, Forster musste – mit erheblichen Geldmitteln - erst für die ihm von Anfang an suspekte französische Sache gewonnen worden sein, war also kein originärer und erst recht nicht vor 11/92 zu bemerkender Anhänger. Ein Geschäft Zug um Zug. (Uhlig „Georg Forster“ S. 304)

Als Forster mit seiner von Custine bestimmten radikalen Rede am 7. 11. auf den Plan trat, handelte er als Kollaborateur, konnte und wollte nicht im Namen der und für die Bevölkerung sprechen, war vielmehr allein Parteigänger und Sprachrohr Custines. Seine Rede läßt sich nicht als Überzeugung der Bevölkerungsmehrheit deuten.

Brief vom 21. 12. 1792 an seine Frau: „Die Revolution hat mich gesund gemacht“.

( s. Georg Scheiding: „Georg Forster, Forschungsreisender-Weltbürger-Mainzer m. w. Nachweisen S. 14“)

Forster erhielt als „Klubist“ von General Custine das zweieinhalbfache seines früheren Gehaltes. Letzteres waren 1800,- Gulden „Grundgehalt“ plus Zulagen von 400 Gulden - ohne seine Privatarbeiten! Ein selbständiger Mainzer Handwerker hatte mit höchstens 300 Gulden jährlich einen guten Verdienst. Custine verpflichtete sich Forster als Kenner der örtlichen Gegebenheiten. Er war aber lediglich 2. Wahl. Der General warb intensiv um den Vertrauten des Fürsten, Johannes von Müller, stellte ihm gar einen Sitz im Pariser Nationalkonvent in Aussicht. Von Müller ließ sich nicht kaufen, ging nach Wien (Hansen Bd. II. S. 348/587/J. v. Müller „Sämtliche Werke“ XXXI. S. 51f)).

 Inaugural. Diss. L. Käss. S. 22

Oliver Scheiding: „Georg Forster – Forschungsreisender – Weltbürger – Mainzer“ S. 5

( “Französische Ausweisungspolitik am Rhein…“ v. E. Schreiber, Berlin 1929 m. w. Nachweisen)

Custine bezeichnete in dem zu seiner Hinrichtung führenden Prozess die Mainzer Klubisten als die „Unersättlichen“ in ihren Geldforderungen.

(s. „Geschichte von Mainz während der ersten frz. Okkupation...v. Karl Klein S. 188)

Forster, dem von Schlegel und Freunden dramatische Einbildungskraft und strikte Einseitigkeit bescheinigt wurde, erkannte, dass „die Franken in Deutschland ebenso planlos und widersinnig als die Klubisten „zu Werke“ gehen.

Ebenso hat er am 17. 1. 1793 geschrieben, dass die Mainzer nicht Franken sein wollen (92% haben sich bei der Abstimmung v. 24. 2. widersetzt) - aber er hat weiter geholfen, der Bevölkerung den Willen der Franzosen aufzuzwingen.

(„Georg Forster: Forschungsreisender – Weltbürger – Mainzer v. Oliver Scheiding S. 3, S. 15, S. 16“)

s. Forster “Studien“/ Beitrag Dumont S. 143

„Ich entsage dem Namen eines Mainzers, weil die Mainzer nicht Franken sein wollen.“

(An Dorsch v. 17. 1.93, s. Forster „Studien“ I Beitrag Dumont S. 143)

Dumont: Fehlen einer revolutionären Situation in Mainz (Forster: Am Ende werden wir wohl noch gnädigst befehlen müssen, dass sie frei werden sollen und müssen“) !! Ein Offenbarungseid (a. a. O), denn Freiheit- welche und wessen Freiheit? - lässt sich eben nicht befehlen. Es ist Wesen der Freiheit, dass hierüber von der Bevölkerungsmehrheit frei entschieden wird, nicht Vorgaben Dritter diktiert werden.

Der europaweit berühmte und aus Mainz wegen der fränkischen Umtriebe geflohene Wissenschaftler Sömmering an Heyne, Forsters Schwiegervater, vom 18. 2. 1793:

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass die französische Konstitution in Deutschland Fortschritte machen wird, da sie so elende Apostel wie Wedekind und Böhmer verkünden … die nur zum Spott dienen und vor denen , man sollte es kaum glauben, selbst ein Forster sich bückt“.

(Bockenheimer „Klubisten“ S. 320)

Sömmering an Heyne (Schwiegervater Forsters) v. 19. 3. 1793: „Forster hat sich leider überall mit fürchterlicher Härte betragen. Sein Zweck war, nach Paris deputiert zu werden, hierfür erlaubte er sich jedes Mittel.....wie sehr es mich jammert, Forster so verführt zu sehen...können kaum den Grad seiner Heftigkeit schildern; man glaubt, er sei nicht ganz bei sich“.

(„Forster: Leben in Scherben“ von U. Enzensberger, S. 252/“Georg Forster in Mainz“ v. Klein S. 325)

Forster wollte sich in Paris etablieren, von einer Rückkehr nach Mainz war nie die Rede.

Schiller als zeitgenössischer und kundiger Beobachter an Körner am 21. 12. 1792: „Forsters Betragen wird gewiss von jedermann missbilligt werden. Ich sehe voraus, dass er sich mit Schande und Reue aus der Sache ziehen wird….Die Mainzer (Klubisten) zeugen mehr von einer lächerlichen Sucht sich zu signalisieren als von gesunden Grundsätzen, mit denen sich ihr Betragen gegen Andersdenkende gar nicht reimt….“

(„Forster: Leben in Scherben“ von U. Enzensberger“, S. 242)

Forster über v. Müller: „Ein Mann, den die Mainzer Bürgerschaft immer hoch geachtet hat, ein Staatsbeamter, der unter dem letzten Kurfürsten so viel Gutes getan und so viel Böses verhindert hat…im Herzen ein Freund der Freiheit und Gleichheit – dass Johannes v. Müller über diese Grundsätze mit mir vollkommen einstimmig ist und Euch Mitbürger durch meinen Mund als Abschiedsvermächtnis zurufen lässt, ohne Bedenken mitzuwirken und ohne Zaudern der Freiheit und Gleichheit zu schwören.“

Hierzu v. Müller: G. F. hat mir einen schlimmen Streich gespielt. Er gab im Club vor und ließ drucken, ich habe selber den Mainzern zum Nationaleid geraten.

(„Über das Verhältnis der Mainzer gegen die Franken“, am 15. 11. In der Gesellschaft der Volksfreunde v. Forster gesprochen und gedruckt, s. „Im Anblick des großen Rades“, Schriften zur Revolution, Luchterhand S.38 ff.)

(v. Müller. Sämtliche Werke, XXXI v. 1792 S. 64)

Damit hat er den langjährigen Freund und den Mainzern wichtigen Johannes von Müller verraten und verkauft.

„Forster ist ein geborener Enthusiast, der immer nur eins, seine Seite sieht“. Dieser von Müller setzte sich 1788 für den in gewohnt ärgster finanzieller Bedrängnis steckenden Forster bei dem Kurfürsten ein und verschaffte ihm die hochlukrative Bibliothekarsstelle. Bei Ausbruch der frz. Revolution stimmten beide in ihrer Skepsis hierzu überein.

(Johannes von Müller 1752 -1809 von Karl Schib S. 172).        

( Enzensberger a. a. O. Brief v. Joh. von Müller, 7. 12. 92, S. 240)

Mit dieser kapitalen Lüge und gleichzeitigem Verrat an dem bisher so bezeichneten Freund Johann v. Müller hat Forster für seine Schriften und Reden jede Glaubwürdigkeit verloren. Er ist offensichtlich stets zu passenden Unwahrheiten bereit gewesen. Die im vorliegenden Dossier nachgewiesenen Widersprüche und Unwahrheiten zeigen eine Person, die ohne Wahrhaftigkeit die aktuell opportune Sicht vertritt. Insofern ist er als Quelle unbrauchbar. Wer sich auf ihn stützt gibt sich und die Wissenschaft preis.

Für Forster als bedenkenfreiem Kollaborateur waren Verleugnung und Verrat nicht fremd . Bis zum Einmarsch der Franzosen war er lobhudelnder Anhänger des Kurfürsten, der ihm neben einem hohen Gehalt auch die Möglichkeit zu Übersetzungsgeschäften gab. Erst das Versiegen der Dotationen trieb ihn in die reichlich spendenden Arme Custines, für den er Kurfürst, Kurstaat und Bürger nachhaltig verriet, ja später auch die Klubisten (s. Dossier/Briefe aus Paris). Nicht vorgebliche Freiheit und Demokratie waren Antriebsfeder, sondern ausschließlich finanziellen Nöte, denen skrupellos geopfert wurde.

Forster, als Subkommissar zur Erzwingung des Eides auf die frz. Verfassung Februar/März 1793 unterwegs, sorgte mit Soldaten und Kanonen dafür, dass eidverweigernde Grünstädter Bürger gefangen genommen und deportiert wurden, wovon er mit Genugtuung an seine Frau schrieb.

(Enzensberger a. a. O. S. 250)

Ähnlich auch in Winnenden, wo die Bauern mit Knütteln die Eiderzwingung abwehrten. Sein Aufruf zum Fürstenmord…

(s. „Georg Forster in Mainz“ v. Klein, Gotha 1863. S. 312/ 315)

Anmerkung: Bis zu seiner Parisreise Mitte März 1793 war Forster eifrig an dem Enteignungs- und Deportationsgeschäft beteiligt. Die aus Überzeugung und wegen Bedeutung eines Eids den geforderten Schwur auf die Grundsätze der französischen Verfassung verweigernden Bürger nahmen ihre Verfolgung in Kauf.

Ende Januar 1793 schrieb Forster: „Ob ich in Paris eine Stelle bekäme, ist sehr zweifelhaft…solange ich glauben konnte, ich diente meinen Landsleuten (sic!), den Mainzern, ich täte ihnen einen Gefallen, arbeitete für ihr Glück…so lange könnte ich …wagen und aufopfern. Der Fall ist nicht mehr, wenn ich gegen den Willen des Volkes für das Interesse der französischen Republik wirken soll…die nicht so viel für mich getan hat, mich in die Zahl ihrer Bürger aufzunehmen“.

Typisches Beispiel Forster´scher Ambivalenz – er hat nicht aufgehört, an der Knechtung der Bürger mitzuwirken!

Zu Forsters Äußerungen:

Eidverweigerer wurden zum Holzfällen kommandiert: für Ungeübte anstrengend, hier aber gefährlich, weil der Einschlag in Reichweite gegnerischen Feuers lag und nur völlige Deckung im Graben schützte

 

Aus „Neue Mainzer Zeitung“ Nr. 29 zu den Eidverweigerern 

Forster zum Dekret v. 27. 3. 1793, die Auswirkungen des Nichtschwörens auf Familienmitglieder betreffend:

 

 

(s. Darstellung der Mainzer Revolution v. Hoffmann S. 818 ff, insbesondere 820)

 

Mit Quantifizieung täglicher Deportationszahlen in den wenigen Tagen vor seiner Parisreise hat F. deren Umfang und damit einhergehenden Absicht „bis zur Entvölkerung“ belegt.

Das Forster`sche Vokabular findet sich ab 1933 wieder („Reinigung der Stadt“ s. S. 100 - „Unerbittlichste Strenge – bis zur Entvölkerung“).

Beide Zitate – wie angegeben - aus der „Neuen Mainzer Zeitung“ v. 5. 3. 93 bzw. „Nationalzeitung“ v. 14. 3. 93

Wie sehr er sich in Mainz und mit seinen dortigen Aktivitäten geirrt oder eben nicht geirrt hatte und bereitwillig dem Besatzungsgeschäft entsprach, konnte er erst aus der Distanz des revolutionären Paris mit den Greueln des „Terreur“ formulieren:

„Seitdem ich weiss, dass es keine Tugend in der Revolution gibt, ekelt es mich an. ...herzlose Teufel wie sie alle hier sind….“

(Brief an seine Frau v. 16. 4. 1793 in: Ulrich Enzensberger „Forster – Leben in Scherben“, S. 259).

„Warum wird Dir gutem Geschöpf so schwer zu glauben, dass sich die Mainzer Klubisten so schändlich aufgeführt haben?...Rohe Knaben, das waren die meisten. Um die zweideutig, vielleicht mehr feindlich als gut gegen die Franken gesinnten Bürger im Zaum zu halten, wird man den Klubisten mehr Gewalt eingeräumt haben….als ein Corps Sbirren und Häscher…“.

(Brief von Forster aus Arras an seine Frau v. 6. 9. 93, s. „Briefe Forsters“ herausgegeben von seiner ehem. Frau, verheiratete Huber, S. 93).

„Hätte ich vor zehn Monaten, vor acht Monaten gewusst was ich jetzt weiss, ich wäre ohne allen Zweifel nach Hamburg oder Altona gegangen und nicht in den Klub.“

Brief v. 21. 8. 93, s. Klein in „Georg Forster in Mainz“ S. 358

„Wir haben die Vendee nun ausgerottet und so werden wir ausrotten was sich uns widersetzt“.

Brief v. 6. 11. 93 an seine Frau, s.“ Briefe Forsters“ wie oben S. 114

Insgesamt ist keine eindeutige Linie in seinen Ansichten festzustellen, sondern wankelmütige und von Fall zu Fall wechselnde, auch unseriöse Passagen, insbesondere da, wo es um Schulden und Erwartung von geldlichen Zuwendungen geht (s. Georg Forster in Mainz v. Karl Klein, S. 232 ff)

Der „rheinhessische“, freisinnige Magister Laukhard hat als Zeitzeuge zu Forster folgendes bemerkt: „ Ich weiß, dass besonders Forsters hitzige Afterpolitik vorzüglich schuld am Verderben so vieler gewesen ist. Dieser sonderbare und überreife Mann schien ordentlich zur Geissel der Mainzer und überhaupt der Rheinländer geboren zu sein. Es gab unter den Klubisten in Mainz wirklich große Männer, aber auch rasende. Die vornehmeren der letzteren waren Forster, Böhmer und Pape und noch einige, welche durch ihre Freiheitswut alles unter und über kehrten und dem ganzen Land großes Elend zuzogen.“

(s. Laukhard, Leben und Schicksal, III. Band S. 338)

Erkenntnisse aus Paris:

Dort mochte Forster nicht so gern an die „Mainzer Republik“ erinnert werden, weil er erfolglos und seine Meinung von der mangelnden „revolutionären Reife“ Deutschlands bestätigt sah. „Die Überwältigung des Volkes mit den französischen Grundsätzen sind den wahren Interessen der Menschheit hinderlich“.

„Deutschlands Lage, der Charakter seiner Einwohner, der Grad und die Eigentümlichkeit ihrer Bildung, die Mischung der Verfassungen und Gesetzgebungen, kurz ihre physischen, sittlichen und politischen Verhältnisse, haben ihm eine langsame, stufenweise Vervollkommnung und Reife vorbehalten. Es soll durch die Fehler und Leiden seiner Nachbarn klug werden und vielleicht von oben eine Freiheit allmählich nachgelassen bekommen, die andere von unten gewaltsam und auf einmal an sich reißen müssen.“

(Georg-Forster-Studien I., Beitrag Franz Dumont S. 127 ff.)

(„Forster: Darstellung der Revolution in Mainz“ in G. Jäckel „Der Freiheitsbaum“, Berlin 1983, S. 268)

Diese Einsicht kam für die Menschen zwischen Landau und Bingen zu spät, die hatten Unterdrückung und Ausbeutung durch die Franzosen und deren gut bezahlte einheimischen Helfer erlitten. Viele Tausend waren enteignet und mit Familie aus der Heimat geworfen. Forster bestätigt die bis in unsere Zeit geläufige Tatsache, dass intellektuelle Fertigkeiten und Überzeugungen nicht vor moralischen oder/und weltanschaulichen Fehlhaltungen bewahren.

Von allen Freunden verlassen saß Forster im Terreur ab Sommer 1793 in Frankreich. Der Briefwechsel mit seiner Frau ist aufschlussreich. Niemand dachte an eine Zusammenführung der beiden. Sie war schon lange mit dem neuen Partner Huber zusammen.

Forster kämpfte mit dem Gefühl, benutzt und betrogen worden, einer falschen Sache aufgesessen zu sein, beschreibt moralischen Schmutz und verderblichste Gesinnung der Menschen, die in der revolutionären Tyrannei und Despotie versunken sind (Beispiel: Briefe v. 13. 4. und 16. 4. 1793 in „Briefe Forsters“, herausgegeben von seiner Frau, verh. Huber ).

Die Gründe für diese Larmoyanz liegen bei ihm selbst.

Beurteilung:

Forster gelang es leichthin, sich in kürzester Zeit von einem Bewunderer und Parteigänger des Kurfürsten in den reichen Sold Custines zu wenden. Beim Einmarsch der Franzosen hielt er Distanz, wartete zunächst ab, machte sich nicht mit deren Zielen gemein. Dann ließ er sich bereitwillig kaufen. Ab diesem Zeitpunkt hat er die Interessen der Franzosen propagiert

F. hatte immer nur ein Ziel, das er mit allen Wendungen, wechselnden Allianzen und Gesinnungen konsequent verfolgte: Forster. Der ehemalige und von ihm verratene Vertraute Johannes von Müller hat das aus unmittelbarer Kenntnis erfahren (s. o.) Allein sein Handeln ist für die Beurteilung maßgebend.

Ein Revolutionär war er nicht. Zum Zeitpunkt der von ihm geschuldeten propagandistischen Aktivität ab 7. 11. war die kurfürstlichen Ordnung durch die umfassende frz. Eroberung bereits umgestürzt. Revolutionär (Umstürzler) hätte er nur noch im Kampf gegen die Franzosen sein können. Er half aber nur, die Vorstellungen der Besatzer gegen das Volk durchzusetzen. Klassischer Kollaborateur.

Forster stellte sich für die erheblichen Zuwendungen seitens Custines vorbehaltlos in die Dienste der Franzosen und exekutierte deren Vorgaben, auch als er erkennen musste, dass die Bevölkerung die Besatzung und deren Ziele ablehnte. Eine klare Position gegen die Bürger. Faktisch kann kein demokratisches oder die Demokratie begünstigendes Handeln festgestellt werden. Im Gegenteil: Er hat bei der Unterdrückung durch die französische Besatzung tätig und nachhaltig mitgewirkt, mit Propaganda unterstützt und bei verwerflichen Aktionen und militärischem Nachdruck Bürger gezwungen, die Deportation „Andersdenkender“ befördert. Nicht nur seine oft widersprüchlichen Schriften und Briefe sind für die Beurteilung maßgebend. Allein seine Aktionen, die Wirklichkeit zählen. Da finden sich aber keine demokratischen Intentionen. Die französischen Postulate sprachen aus taktischen Gründen zwar heuchlerisch vom Willen des Volkes, exerzierten aber pure Diktatur und Despotie.

In Klubist Forster hatten die Besatzer einen willigen Vollstrecker.

Die originalen Quellen (s. o.) sprechen eine klare Sprache, lassen sich nicht mit Rückgriffen auf Schriften umdeuten. Schreiben läßt sich viel. Der Zynismus seiner Aktionen, die verächtliche Sprache gegen die Bürger, Vorwegnahme von Nazivokabular und eigensüchtige Vorteilnahme gegen die Interessen des Volkes disqualifizieren ihn nachhaltig.

Sein Opportunismus, die Einseitigkeit und gleichzeitig Widersprüchlichkeit seiner Äußerungen ist oft genug im Gegensatz zu den bekannten Fakten. Für die Feststellung historischer Sachverhalte ist er hiernach nicht tauglich, wird aber weltanschaulich jeweils passend eingesetzt.

Forster hat in Frankreich Klub, Besatzung und damit verbundenen Methoden negativ beschrieben. Er war „falscher Prophet“, dessen Irrtümer und Grausamkeiten keine Ehrungen rechtfertigen. Mehr als Zynismus, wenn er als demokratischer „Pate“ vereinnahmt wird. Wo wären die Fakten hierfür?

Er war sicher kein „Geburtshelfer einer demokratischen Vorform“, wo hätte die auch sein mögen, sich konkret gezeigt haben? Die volltönenden Zuschreibungen entbehren verifizierbares Handeln. Als williger Vollstrecker hat er sich stets hervorgetan. Für die Mainzer gehörte er zum „Lumpenklub“, die wollten von ihm nichts wissen. Er wurde nur als Unterdrücker erlebt. Seine Briefe und Zitate bestätigen die verbrecherischen Absichten gegen die Bevölkerung. Er half als Totengräber einer offenen, toleranten Gesellschaft, die im Vergleich zu anderen Ländern an der Spitze des Fortschritts stand. Man vergleiche die Mainzer Gesellschaft vor Custines Eroberung und nach Umsetzung der Pariser Vorgaben: eine Tragödie für die Menschen.

Die Fakten zeigen, wie auch intellektuell und schriftstellerisch begabte Menschen durch charakterliche Unebenheiten begünstigt bei der skrupellosen Verfolgung ihrer Ziele in moralische Abdrift geraten. Da ist Forster aber kein Einzelfall. Die Geschichte kennt viele Beispiele, wie sich positiv befähigte Personen vorbehaltlos in die Dienste von Diktaturen stellten.

Forster wurde früh ideologisch instrumentalisiert.

„In der DDR war das Mainz von 1792/93 flugs zum ersten demokratischen Zentrum Deutschlands erhoben, das sich in einer proletarischen Revolution gegen den klassenfeindlichen Feudalismus erhoben habe und in einem Forsterrummel ohnegleichen diesen Mann zu einem Vorkämpfer des roten Fortschritts gegen die schwarze Reaktion machte“. (Mathy in „Mitteilungsblatt zur rheinh. Landeskunde“ 1964, Bl. 146)

Der Leser sehe selbst, was von dieser Propaganda übrig geblieben ist. Und sehe auch, wie der Geist der DDR in Mainz wider alle Fakten noch weht. Propaganda und „instrumentalisierte Mägde“ (Zitat des ehem. DDR-Historikers Scheel) als Mittel? Zwei deutsche Diktaturen haben die Instrumente geliefert. Die anhaltende Rezeption ist mit den Fakten zu Forster jedenfalls nicht in Übereinklang zu bringen.