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IV. „Jakobinerklub“

Üblicherweise wird bei der von Custine in Mainz veranlassten „Gesellschaft der Freunde der Freiheit und Gleichheit“ vom Jakobinerklub gesprochen, kurz „Klubisten“. Nahezu namenidentische kollaborierende Gesellschaften wurden auch in anderen besetzten Gebieten gegründet (so zeitaktuell in Aachen).

Deutsche Jakobiner waren ursprünglich deutschsprachige Mitglieder eines französischen   Klubs wie z. B. in Straßburg. Ab der 2. Hälfte 19. Jh. wurde in der Literatur mit diesem Begriff das in Deutschland geborene Mitglied eines frz. Jakobinerklubs bezeichnet. Im Zusammenhang mit den DDR-Zielen zur Vereinnahmung vorgeblicher revolutionärer Abläufe ab den 1960er Jahren sollten damit nun „deutsche revolutionäre Demokraten“ gemeint sein. Mit dieser Sinnverschiebung wurde eine günstige Auslegung für die verfolgten Zwecke angestrebt, konnten nun bei halbwegs passender Gesinnung in ganz Deutschland und darüber hinaus Jakobiner und genehmes Wirken identifiziert werden.

Termini sind aber nach der historischen Wirklichkeit, nicht nach Wunsch und Bedarf zu gebrauchen oder gar zu verändern. Insofern sind die Mitglieder des Klubs keine Jakobiner, wobei es der Handhabbarkeit willen durchaus bei dem Kurzbegriff „Klubisten“ bleiben mag (s. Claude Betzinger: Eulogius Schneider „Jacobin oder „Deutscher Jakobiner“ in Transfer und Migration zwischen Frankreich und D. 1789 -1806 hg. von Schönpflug und Voss, Thorbecke Verlag S. 105/106). Der vorgenannte Eulogius Schneider wurde von Thackeray romanhaft aufgrund der bekannten Daten verarbeitet:Die Geschichte der Mary Ancel“ - ein Elsässer Jakobiner als grundschlechtes Scheusal.

Davon abgesehen galt der Jakobinismus in Deutschland nicht als typisch für die öffentliche Meinung. Im Einzelnen ist Prof. Fehrenbach unter Heranziehung der wichtigsten Forschungsergebnisse zu dem Ergebnis gekommen, dass die französischen Initiativen weder Wunsch noch Neigung der deutschen Bevölkerung entsprachen. Insofern hat sich hiernach jede weitere diesbezügliche Diskussion erledigt, die Befunde sind eindeutig. Die in einer gewissen Isolierung stehenden „Intellektuellen“ haben sich nach erster spontaner Begeisterung abgewendet, desillusioniert von der Entwicklung (Renouard „Geschichte des frz. Revolutionskrieges im Jahr 1792“ v. 1865 S. 467 / Fehrenbach „Politischer Umbruch und gesellschaftliche Bewegung“, Ausgewählte Aufsätze, Oldenbourg -Verlag 1997, insbes. S. 57)

Der französische Forscher Droz wies mit frz. Gesandtenberichten die Franzosenfeindschaft im Rheinland nach, ebenso, dass die Aktivitäten der Besatzer und ihrer Helfer bei der Stadt- und Landbevölkerung keine Resonanz fanden (a. a. O. Oldenbourg-Verlag S. 42)

Für die Hochschule und wichtige, gut dotierte Positionen in Verwaltung und Hof waren Personen von außerhalb nach Mainz verpflichtet. Einige sympathisierten mit den Ideen der französischen Revolution und sammelten sich nach der Eroberung in dem durch Custine initiierten „Klub“. Die Mitglieder unterlagen dessen Weisungsrecht. (Dumont a. a. O. S. 100/101.) Von den 50 Professoren der Universität schlossen sich nur 6 den Franzosen an (Georg Forster in Mainz“ v. Klein, Gotha 1863, S. 233).

Bereits auf dem Marsch zum Rhein hatten spätere Klubisten mit dem General Kontakt aufgenommen (s. Abschnitt I.) Die Zusammenarbeit französischer Militärs mit Einwohnern aus den besetzten Gebieten war Methode.

In allen seinerzeitigen französisch besetzten Gebieten wurde auf solche Weise mit örtlichen, aber oft von außerhalb stammenden Personen kollaboriert - bezahlte Quislinge. 8.) 9.) 11.) 12.) 52.) 73.)

Jeder, der Reden, Gedichte, Aufsätze usw. verfaßte wurde mit monatlich 150 Gulden honoriert. 46.) Böhmer und Wedekind erhielten 500 L. monatlich, Böhmer noch eine Sonderzuwendung von 6.000,- Custine nannte im Verhör seine Mainzer Freunde die Unersättlichen („Sybel: Geschichte der Revolutionszeit von 1789 bis 1795.“ Düsseldorf, von Buddens, S 31. „Custines Zeugenverhör, aus den gerichtlichen Akten“, Göttingen Joh. Christian Dieterich 1794") Dito S. 93 „Kaum hatte ich meinen Fuß nach Deutschland gesetzt so fanden sich alle Narren dieses Landes bei mir ein".

Insofern handelte es sich nicht um eine Mainzer Besonderheit, sondern um übliches französisches Vorgehen, um über angeworbene Einheimische lokal durchgreifen zu können. - s. unten zu Aachen -

Urmitglieder des Mainzer Klubs waren durch die Flucht des Hofes von ihren Gehältern abgeschnitten waren und suchten anderweitigen Erwerb. 9.) 46.) - s. Anhang Forster-

Mit der Veranlassung des Klubs schob Custine den Übernahmeprozess an, die Besatzer gaben den Takt vor.

Immer nur wenige und immer die gleichen Personen machten sich im Klub und in der Öffentlichkeit - später auch im „Konvent“ - bemerkbar, stets im Zusammenspiel mit den Franzosen. Bestenfalls kann auch zu den Höchstzeiten dauerhaft von etwas mehr als 100 gleich wie aktiven Jakobinern ausgegangen werden. Ein Viertel hiervon tat sich mit Funktionen oder Propaganda hervor. Wie bei einem Strohfeuer nahm die Zahl der Teilnehmer an den Versammlungen in den ersten Besatzungswochen zwar rasch zu, um aber Anfang 93 noch rascher zu verlöschen. Von anfangs 449 Versammlungsteilnehmern oder Sympathisanten einschließlich Franzosen waren nur 121 Beitragszahler, können lediglich die als wirkliche Mitglieder gelten. Die Übrigen sind als situative Mitläufer, Zuschauer, Müßiggänger und eben „Publikum“ (von der Galerie) aus unterschiedlichstem Antrieb zu sehen. (Scheel III S.169 / Hansen Bd. II. S. 524)

Offensichtlich wurde jeder, der die Klubversammlungen - ob einmal oder mehrere Male - besuchte, gezählt. Nun kann nicht jeder Besucher Sympathisant gewesen sein oder gar als Klubist vereinnahmt werden. Es ging überwiegend um Information oder Schaulust. Der begehrte Nachweis möglichst zahlreicher Unterstützer, gar Mitglieder, scheitert auch hier an der Wirklichkeit.

Zum Jahreswechsel war ohne Franzosen mit rund 400 angenommenen, ggf. mehrfach gezählten, aber eben nicht alle als Mitglieder geltenden Personen der Höchststand erreicht, dann sank ab Januar 1793 die Zahl sehr schnell und deutlich auf etwa 150 inklusive Franzosen. (s. Dumont a. a. O. S. 215). Etwas mehr als 16%der Klubisten waren Franzosen (s. Blanning a. a. O) Wegen der deutlich zunehmenden Austrittszahlen wurde eine Klubsitzung anberaumt. Wesentlicher Grund für die Abwendung war die Feststellung, dass die „Hüter der Freiheit“ sich ganz als die alten Franzosen entpuppten.    29.) S. 23

Der Weg zur Abstimmung über einen Konvent und damit Entscheidung sowie anhaltende Bedrückungen ließ auch die letzten Mainzer wach werden. Die „Überzeugungskraft der revolutionären Ideen“ und der angestrebten Ziele sowie die ideologische „Festigkeit“ der Klubisten machte sich bemerkbar, als abzüglich der Franzosen nur ein Drittel der verbliebenen 150 Klubmitglieder an der Abstimmung vom 24. 2. 93 teilnahm (s. Wahl). Umgehend wurde der Klub von einem Kommissar aufgelöst. Daran zeigte sich die Abhängigkeit der „Demokratendarsteller“ (Bockenheimer Klubisten Bl. 219ff), ohne dass eine vergleichbare Nachfolgeorganisation entstand. Die Kommissare verließen sich jetzt nur noch auf die bewährten Häupter.

Ein Vergleich mit Abgeordneten unserer Zeit verbietet sich sowohl von der Zahl und Inhalten als auch vom Status: Die einen sind vom Volk gewählt, ihrem Gewissen verpflichtet. Die anderen waren eingekaufte, weisungsgebundene Exekutivkräfte - was sich bei der Auflösung klar zeigte. 

Noch im Oktober 1792 wurde von Custine beim Pariser Konvent angefragt, ob Mainz ein Departement oder Republik werden soll. Keinesfalls selbständig…Die Meinung der Bevölkerung interessierte nicht (Hansen Bd. II. S. 550). Ohne Weisung des Konvents wurden aber bereits Kriegssteuern erhoben, um damit die Armee zu finanzieren.  29.) S. 3 / Inaugural Diss. L. Käss S. 52 /

Der Pariser Minister Cambon verlangte, alles Eigentum in den besetzten Ländern unverzüglich wegzunehmen, damit die Kriegskosten zu decken seien (s. L. Käss a. a. O. 5. Kap. S. 3 /“Die alten Franzosen“ S. 261ff)). Dieser Cambon war auch Urheber der berüchtigten Dezemberdekrete (s. dort).

Forster forderte am 15.11. 1792 im Klub, Mainz müsse für alle Zeiten bei Frankreich bleiben, der Rhein solle die Grenze zu Deutschland werden. So hatte er in Übereinstimmung mit der aktuellen frz. Politik deutlich das alle Maßnahmen bestimmende Ziel formuliert, worauf hingearbeitet wurde, Volkswillen hin oder her.  8.) 9.) 11.) 12.)

Das galt auch für die fast gleichnamigen Klubisten in Aachen: „Auswurf des Pöbels“. (Rheinische Vierteljahresblätter Jg. 1982). In Aachen war der Widerwille gegen die Besatzer und deren Helfer besonders ausgeprägt, klar und heftig.

Auch Forster hat seine „Klubbrüder“ Ende 1792 äußerst negativ beschrieben (Forster „Werke“ v. Klein s. 294 und Briefe Forsters im Anhang „Forster“)

Der spätere Richter im Departement „Donnersberg“, Rebmann, hat festgestellt, dass „ein Teil der Klubisten der Revolution anhing um sich zu bereichern“ (s. „Die Deutschen in Mainz“ , 37)

Insgesamt waren Klubisten – „Lumpenklub“ (s. Scheel Bd. 3 S. 758) - und französische Revolutionsideen ohne Volk, ohne nennenswerte Resonanz, sie wurden verachtet („Tagebuch von der Belagerung der Festung Mainz 1793“ S. 122/469).

Zu Klubist Forster s. Anhang XIV. „Forster“

Die Klubisten zählten überwiegend nicht zu den eingeborenen Mainzern, kamen nicht lange vorher in die Stadt. Sie suchten hier Erwerb und Karriere – das setzte sich im Klub fort. Mit den die französische Organisationen stützenden Klubisten, den Kommissaren und französischen Militärs bestimmten alle möglichen Personen, nicht jedoch die eingesessenen Mainzer die politische Entwicklung. Letztere wurden kaum gehört!

Forster pries bei seiner Anstellung als Hofbibliothekar und noch kurz vor der Eroberung in ganz und gar nicht kosmopolitischer und devoter Weise den Kurfürsten, dass er ihm nicht nur höchsten Wohlstand, sondern auch ein Vaterland geschenkt habe...Bei der allein in Betracht kommenden zeitgenössischen Beurteilung muss Forster nach seinen Elogen mit der späteren Agitation gegen Kurstaat und Kurfürst als Verräter und „Wendehals“ gelten -          22.), 11.) 45.) 61.) 65.)/ a. a. O.

Custine bemühte sich primär um den in der Bevölkerung sehr beliebten und fähigen Johannes von Müller für den „Klub“, versprach ihm die Regierungsspitze, gar einen Sitz im Pariser Nationalkonvent. Müller hatte kein Interesse, zog eine Position in Wien vor (Hansen Bd. II. S. 348/587/J. v. Müller „Sämtliche Werke“ XXXI. S. 51f)). Forster war Ersatz.

Aus Wien hat v. Müller geschrieben: “Die größte Intoleranz herrscht bei den Aposteln der Freiheit. Die ganze Welt soll den Rock tragen der im Jakobinerklub zugeschnitten wird“ (s. Briefe a. a. Ort S. 62)

Der bei der Eroberung von Mainz eine zwielichtige Rolle spielenden Eickemeyer begründete am 3.11.92 in der „Mainzer Nationalzeitung“ den Übertritt aus kurfürstlichen in französische Kriegsdienste damit, die „Gelegenheit zur Verbesserung seiner Umstände“ benutzt zu haben. Das könnte für alle „Wendehälse“ gelten.       46.) S. 143

Auch bei Forster zählen nicht Worte, Gedanken und Gesinnung, allein das Handeln ist entscheidend. Hier ist - wie dargestellt - das Ergebnis katastrophal. Von dem „Demokraten“ Forster bleibt nichts, er reihte sich in die Unterdrücker ein, hat in zynischer Weise gegen die Bürger agiert. Beispiele sind im Abschnitt „Forster“ nachgewiesen. Auf dessen Irrungen und Wirrungen soll im Rahmen dieser Ausarbeitung nicht näher eingegangen werden: Nicht um sein Psychogramm geht es, sondern um das Leid der Bürger. Forster tat in Mainz alles, um die Einverleibung zu beschleunigen und die Botschaft nach Paris zu bringen. Dort erhoffte er sich Stellung und entsprechende Honorierung, eine Rückkehr war für ihn ausgeschlossen.

Nach der frz. Kapitulation verprügelten vertriebene Mainzer bei ihrer Rückkehr in das befreite Mainz verantwortliche Klubisten.

Ein führender Klubist hatte sich in Frauenkleidern getarnt unter das abziehende Militär gemischt in der berechtigten Furcht, zur Verantwortung gezogen zu werden, wurde erkannt (Metternich) und war der Willkür der aus der Vertreibung zurück gekehrten Mainzer ausgeliefert.

Goethe hatte Verständnis:

„Ich bemerkte, dass die armen vertriebenen, grenzenlos unglücklichen Mainzer von entfernteren Orten nunmehr angekommen, scharenweise die Chaussee umlagerten , mit Fluch und Racheworten das gequälte Herz erleichternd. Es trieb sie die höchst verzeihliche Wut, ihre verhassten Feinde, die Klubisten zu strafen…(Projekt Gutenberg.spiegel.de buch/3641/10)

„Die Klubisten waren in der Kapitulation übergangen, sie wurden aus der abziehenden Kolonne herausgenommen, ohne dass sich die Franzosen widersetzten. Das Volk fing an, sich deren zu bemächtigen. Dass die Gefangennahme von unten herauf wirkte, deucht mich gut. Das Unheil, dass diese Menschen angerichtet haben, ist groß. Dass sie nun von den Franzosen verlassen werden, ist recht der Welt Lauf..“ (Goethe „Gespräche“, Bd. 8).

 

Die verprügelten Klubisten waren gut bedient. Hunderttausende der Vichy-Kollaborateure im 2. Weltkrieg wurden für ihre Kollaboration mit den Nazis ohne Federlesen erschossen. Die Klubisten waren  für die soziale, gesellschaftliche und wirtschaftliche Vernichtung mehrerer Tausend Einwohner einschließlich Kindern verantwortlich. Der Hass der mittellosen Rückkehrer war nachzuvollziehen. Eine beispielhafte Untersuchung hat Dumont vorgenommen („Das Ende der Mainzer Republik in der Belagerung“, Mainzer Zeitschrift Jahrgang 75 . 1980, S.161ff).

Lynchjustiz und Denunziationen wurden durch den Beschluss der wieder hergestellten Exekutive v.1793, 1/6 Nr. 2 entgegengewirkt, wonach bei den Klubisten eine zurückhaltende Beurteilung vorzunehmen sei. „Dokumente und gesammelte Daten müssen die vorgeworfenen Sachverhalte beweisen“.

(S. Stadtarchiv Mainz unter obiger Signatur)

Die Verstöße gegen weiter geltendes Recht des Kurstaates und der Menschenrechte (Vertreibung) waren gemäß der Offizialmaxime nach der Wiedereroberung von den Behörden zu verfolgen (Dumont „Mainzer Republik“ S. 251).Wenn als Kapitulationsvereinbarung der Teil der Klubisten, der nach Frankreich verlangte, zunächst in Festungshaft kam, so deshalb, um zunächst die Rückkehr der nach Frankreich gebrachten Mainzer Geiseln abzuwarten („Darstellung der Mainzer Revolution von A. Hoffmann, Mainz 1794, S. 1014)

Insgesamt wurden gerade einmal 62 Klubisten festgesetzt. Das orientiert über die verbliebene verschwindend kleine Zahl der Kollaborateure mit im Kern wohl kaum 150 Personen und deren auf die französischen Bajonette gestützten Schreckensherrschaft - gegen das Volk. WK-2-Feststellungen haben ergeben, dass in besetzten Gebieten 0,15% Kollaborateure zur deutlichen Unterstützung der Besatzer ausreichten – und auch im Kurstaat als Basis gesehen wurden und werden.

Die massive Produktion von verordneten Druckerzeugnissen sollte die öffentliche Meinung im Sinne der Franzosen beeinflussen, Gegenstimmen kamen nicht zum Zug. Dieser Aufwand trug jedoch kaum Früchte, die Bürger erlebten ein bedrückendes Besatzungsregime, die Lebenswirklichkeit entlarvte die unredliche Propaganda , die überwältigende Mehrheit wollte von der „frohen Botschaft der Franken“ nichts wissen (Dumont „Republik“ S. 114ff). Eine vernichtende Charakterisierung erfuhr der Klub durch den französischen Historiker Sorel: „Abgedroschen, nichtsnutzige Prediger oder fortgelaufene Mönche, Geschwätz der Pariser Redner oder dortiger Zeitungen“ (Sorel: Europa und die Französische Revolution, III. 176-177)

Nach den realen Machtverhältnissen betrachtete und behandelte das französische Militär Mainz als ganz eroberte und besetzte Stadt. Französische Interessen hatten absoluten Vorrang (Dumont in Mainzer Zeitschrift 75, 1980 S. 162 ff.)

Der Ton der Besatzer war eindeutig: Drohungen, rücksichtslose Befehle, die absolute Unterwerfung war gefordert. Die Rheingrenze war Selbstverständlichkeit. Insofern konnte es im „Konvent auch keine wirkliche Einverleibungsdebatte geben, das Ergebnis war vorbestimmt, von den allmächtigen Kommissaren gefordert (Dumont in „Mainzer Republik v. 1983 S. 590, 600ff)

Die Dekrete des Pariser Nationalkonvents vom Dezember 1792 sollten gegen den Willen der jeweiligen Bevölkerung auch die besetzten Gebiete von Nizza bis zu den Niederlanden nach Frankreich eingliedern, wegen des Annexionsverbotes im Rahmen eines - ebenfalls gelenkten - Plebiszits. Die aus Paris angereisten Kommissare bestimmten alle Abläufe.

Die „Wahl“ zum „Rheinisch-Deutschen Nationalkonvent“, zur „Republik“, war für die Mainzer Elend in ihrer Stadt, sie mussten nach der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Katastrophe der Besatzung und deren „Republik“ unter größten Mühen Wunden heilen und neu beginnen.

Dieses Schicksal hatten auch die kleinen Dörfer um Mainz. Die Ortschaften Finthen und Drais wurden zwischen 1793 und 1804 mehrfach zerstört, 1794/95 das gesamte Vieh und die Feldfrüchte weggetragen, mehrere tausend Obstbäume umgehauen.